Türkische Tanne - Pflanzenpass

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Abies bornmuelleriana

Familie: Pinaceae (Kieferngewächse) · die Tanne vom Mysischen Olymp
Türkische TanneBornmüller-TanneUludağ-TanneTurkish Fir

Einer ihrer Heimatberge hieß in der Antike „Olymp“ – nicht der griechische, sondern der Mysische Olymp im Nordwesten der Türkei, heute Uludağ. Dort wuchsen die Wälder, in denen nach der Überlieferung im Mittelalter Hunderte Mönche lebten und in denen laut Herodots Erzählung eine Eberjagd einem Königssohn das Leben kostete. Die Türkische Tanne ist eine enge Verwandte der Nordmanntanne und kommt mit Hitze und Trockenheit besser zurecht als viele Tannen.

  • Welcher Olymp? Die Tanne vom Mysischen Olymp
  • Warum der Uludağ bis 1925 „Mönchsberg“ hieß
  • Warum diese Tanne Hitze besser wegsteckt als ihre Verwandten
Türkische Tanne Baum-Pflanz-Set von meinwoody®
Deine Türkische Tanne,
dein Wald von morgen

Eine Tanne für wärmere Zeiten

In ihrer Heimat, den Gebirgen im Nordwesten der Türkei, regnet es im Sommer nur etwa 150 mm. Die Türkische Tanne ist an solche trockenen Sommer gewöhnt – und gilt deshalb als aussichtsreiche Tanne für ein wärmeres Klima. Dazu kommt ein schlanker, dichter Wuchs, der ihr auch als Weihnachtsbaum viele Freunde gemacht hat.

Botanik

Flache Nadeln & aufrechte Zapfen

Die Türkische Tanne gehört zur Gattung Abies, den echten Tannen, und damit zu den Kieferngewächsen (Pinaceae). Als Abies bornmuelleriana beschrieb sie 1925 der Botaniker Mattfeld in Berlin-Dahlem; ihr Name erinnert an den Thüringer Botaniker Joseph Bornmüller (1862–1948), der Kleinasien bereiste. Wie sie eingeordnet wird, hängt vom Nachschlagewerk ab: Manche führen sie als Unterart der Nordmanntanne (Abies nordmanniana subsp. bornmuelleriana), andere fassen sie mit der Troja-Tanne als eine Unterart zusammen (subsp. equi-trojani), weil sich kultivierte Herkünfte genetisch kaum unterscheiden lassen. Früher galt sie teils auch als natürliche Kreuzung aus Kaukasus- und Griechischer Tanne. In der Forstpraxis und im Handel heißt sie einfach Türkische Tanne.

Ihre Heimat ist die Türkei: Sie ist dort endemisch und wächst im westlichen Schwarzmeergebiet zwischen dem Fluss Kızılırmak und dem Uludağ. Die schönsten Wälder stehen laut türkischer Forstliteratur im Ilgaz-Gebirge, bei Bolu und Abant, bei Ayancık und am Uludağ selbst. Sie wächst in Berglagen zwischen etwa 800 und 2.000 m, im Mischwald mit Orientbuche, Waldkiefer und Schwarzkiefer.

Wuchshöhe
Meist 30–40 m; in Küstengebirgen bis etwa 45 m, schlank und kegelförmig
Nadel
Flach, stumpf, meist 2–3 cm lang, unten mit zwei hellen Streifen
Zapfen
Aufrecht und walzenförmig; unter jeder Schuppe zwei geflügelte Samen
Heimat
Gebirge im Nordwesten der Türkei, in etwa 800 bis 2.000 m Höhe

Türkische Tanne und Nordmanntanne

Beide Tannen sind eng verwandt und sehen sich ähnlich. Einige Unterschiede helfen beim Erkennen.

Türkische Tanne

Nadeln nach Baumschulangaben etwas heller und steifer.

Stammt aus dem Nordwesten der Türkei; Sommer dort trocken und warm.

Wächst in der Jugend langsam, später rascher.

vs
Nordmanntanne

Heimat Kaukasus und östliches Pontisches Gebirge; Triebe oft behaart.

Nadeln dunkelgrün mit zwei weißlichen Streifen auf der Unterseite.

Bei uns die bekannteste Weihnachtsbaum-Tanne, weil die Nadeln lange halten.

Pflanzenteile im Überblick

Fünf Merkmale, an denen du eine Türkische Tanne erkennst.

flach, stumpfzwei helle Streifen unten
01 · Nadel
Flach, stumpf, mit zwei hellen Streifen

Die Nadeln sind flach und stumpf, meist 2–3 cm lang. Auf der Unterseite verlaufen zwei helle Streifen, die der Tanne einen silbrigen Schimmer geben.

Zapfenschuppe mitDeckschuppe & Samen
02 · Zapfen
Aufrecht und walzenförmig

Die Zapfen stehen aufrecht auf den Zweigen – ein sicheres Merkmal echter Tannen. Wie bei der Nordmanntanne sind sie lang und walzenförmig, und unter jeder Zapfenschuppe liegen zwei geflügelte Samen.

graubraun, in PlattenJahresringe
03 · Rinde
Graubraun, in Platten

Die Rinde ist graubraun und gliedert sich mit dem Alter in kleine Platten. Die jungen Triebe sind meist kahl oder nur schwach behaart, und die Winterknospen sind oft harzig.

Keimlingjungausgewachsenanfangs langsam30–45 m
04 · Wachstum
Langsam anfangs, später rasch

Probeanbauten zeigen: Die Türkische Tanne wächst in der Jugend langsam, später legt sie deutlich zu. In ihrer Heimat erreicht sie meist 30–40 m, in den Küstengebirgen bis etwa 45 m.

05 · Habitus

Der ganze Baum

Ein gerader Stamm und eine dichte, symmetrisch gestufte Krone, schmal wie ein Kegel: So steht die Türkische Tanne im Garten. Ihre Äste sind stark und robust, die Zweige dicht, und die Nadeln duften nach Weihnachten.

  • Meist 30–40 m hoch · immergrün
  • In der Jugend langsam, später schneller
  • Sonne bis Halbschatten · winterhart etwa −20 bis −23 °C
Rekorde & Zahlen

Von 26 bis 45 Metern

Die Türkische Tanne ist ein Baum der Gegensätze: In den Küstengebirgen am Schwarzen Meer wächst sie zu stattlichen Riesen heran, in trockeneren Gebieten im Landesinneren bleibt sie deutlich kleiner. Beide Formen zeigen, wie wandelbar sie ist.

Zwei Formen, ein Baum

1,8 m
26 m
30–40 m
45 m
Mensch
Binnenland-Form
Typisch
Küstengebirge
Nach Messungen in der Heimat erreicht die Küstenform etwa 45 m Höhe bei rund 250 Jahren Alter und 90–115 cm Brusthöhendurchmesser. Die Form im Landesinneren wird nur etwa 26 m hoch und etwa 190 Jahre alt.

Kennwerte im Überblick

Kennwert Angabe
Wuchshöhe Meist 30–40 m; Küstenform bis etwa 45 m
Höhenlage der Heimat Etwa 800 bis 2.000 m
Niederschlag 800–1.600 mm pro Jahr, im Sommer nur etwa 150 mm
Holzvorrat im Bestand Etwa 430–860 Festmeter pro Hektar
Frosthärte Etwa −20 bis −23 °C
Uludağ-Nationalpark 1961 ausgewiesen (heute 12.762 ha); höchster Gipfel 2.543 m

Der Uludağ ist der höchste Berg der Marmara-Region – und die Türkische Tanne einer der Bäume, die an seinen Hängen wachsen.

147

Klöster soll es im 8. bis 10. Jahrhundert am Uludağ gegeben haben

Nach der Überlieferung suchten im und nach dem Bilderstreit Mönche Zuflucht in den Wäldern des Berges – mit etwa 147 Klöstern eine der dichtesten Klosterlandschaften Anatoliens, mitten im Gebiet der Türkischen Tanne.

Saatguternte

Vom Zapfen zum Setzling

Wie alle Tannen trägt die Türkische Tanne ihre Zapfen aufrecht, und im Herbst zerfallen sie an den Zweigen: Die Zapfenschuppen fallen einzeln ab, und die geflügelten Samen segeln davon. Wer Samen ernten will, muss also den richtigen Zeitpunkt abpassen.

Aufrechter Zapfen zerfällt im Herbst am Baum Zwei geflügelte Samen pro Schuppe kreiseln wie kleine Propeller Der Wind trägt sie davon
Schemazeichnung. Die Samen der Tanne verbreiten sich mit dem Wind.
1 · Ernte
Die aufrechten Zapfen reifen im Herbst. Sie werden geerntet, bevor sie am Baum auseinanderfallen.
2 · Reinigung
Die Zapfen werden getrocknet, bis sie ihre Samen freigeben. Dann werden die geflügelten Samen gereinigt.
3 · Anzucht
Das Saatgut geht an Baumschulen und in Pflanz-Sets wie das meinwoody®-Set mit kompostierbarem Plenta®-Pflanztopf.

Für die Anzucht im Topf gehört die Türkische Tanne zum Keimtyp „Kurzer Winterschlaf“: Nach dem Einweichen brauchen die Samen 4–6 Wochen Kälte im Kühlschrank. Beim Keimen ist sie eine ganz normale Tanne – erst Kühlschrank, dann hell und kühl aufstellen, bitte nicht auf die Heizung. Tannensamen stecken voller Harz und dürfen deshalb weder zerdrückt noch angeritzt werden.

Geschichte & Mythen

Mysischer Olymp, Herodots Eber & Mönchsberg

Wer „Olymp“ hört, denkt an Griechenland. Doch auch in Anatolien gab es einen Olymp – den Berg, an dem die Türkische Tanne wächst. Wir erzählen dir, was die Alten über diesen Berg wussten, und unterscheiden dabei, was belegt ist und was Erzählung blieb.

Drei Gesichter eines Berges

Olymp
Der andere Olymp

Der Uludağ hieß in der Antike Olympos – bei Herodot taucht der Name im 5. Jahrhundert v. Chr. auf –, später sprach man vom Mysischen oder Bithynischen Olymp. Die nahe Stadt Bursa hieß „Prusa am Olymp“. Mit dem Götterberg in Griechenland hat er nur den Namen gemeinsam.

Sage
Herodots Eber

Herodot erzählt von einem riesigen Eber, der die Felder am Mysischen Olymp verwüstet. Bei der Jagd trifft Adrastos mit dem Speer versehentlich Atys, den Sohn des Lyderkönigs Krösus – und erfüllt damit einen Traum, der den Tod des Prinzen vorausgesagt hatte. Eine Geschichte des Historikers, die zeigt, wie wild und unheimlich die Wälder des Berges erschienen.

Mönche
Der Mönchsberg

Im 8. bis 10. Jahrhundert, im und nach dem Bilderstreit, zogen sich Mönche in die Wälder des Berges zurück: Etwa 147 Klöster soll es gegeben haben, darunter lebte der byzantinische Einsiedler Ioannikios der Große. In osmanischer Zeit hieß der Berg „Keşiş Dağı“ – Mönchsberg.

„Geben wir ihm einen Namen, der dem Wesen des Berges am besten entspricht, und nennen wir ihn Uludağ.“Dr. Osman Şevki Bey, 24. September 1925, über den Berg, der zuvor „Mönchsberg“ hieß (sinngemäß übersetzt)

Der Berg im Bild

Uludağ – der Mysische Olymp 2.543 m, höchster Berg der Marmara-Region Klöster (8.–10. Jh.) „Mönchsberg“ bis 1925 Herodots Eber (Sage) Türkische Tannen am Hang
Schemazeichnung, kein historisches Abbild: der Uludağ mit seinen Tannenwäldern, mit einem Kloster am Hang und dem Eber aus Herodots Erzählung.

Auch die Tanne hat eine Geschichte mit einem Namen: Ihr botanischer Name bornmuelleriana erinnert an den Botaniker Joseph Bornmüller (1862–1948). Der Thüringer war Kustos des Haussknecht-Herbariums in Weimar und sammelte Pflanzen im Mittelmeerraum und im Vorderen Orient, auch in Kleinasien. Die Tanne, die später seinen Namen trug, beschrieb 1925 Mattfeld in Berlin-Dahlem – im selben Jahr, in dem der Berg seinen heutigen Namen erhielt.

Vom Mönchsberg zum Nationalpark


5. Jh. v. Chr.
Herodot erzählt von einem Eber am Mysischen Olymp und vom Tod des Königssohns Atys – eine Sage.

8.–10. Jh.
Nach der Überlieferung entstehen am Uludağ etwa 147 Klöster.

Osmanische Zeit
Der Berg heißt „Keşiş Dağı“ – Mönchsberg.

1925
Am 24. September erhält der Berg den Namen Uludağ („Großer Berg“). Im selben Jahr beschreibt Mattfeld in Berlin-Dahlem die Tanne als Abies bornmuelleriana.

1961
Der Uludağ wird Nationalpark (heute 12.762 ha).

1963
Die erste Seilbahn der Türkei geht in Betrieb.

1974–1989
Nahe dem Gipfel entsteht eine Wolfram-Mine, die bis 1989 in Betrieb ist.
Keşiş Dağı

„Mönchsberg“ – so hieß der Uludağ in osmanischer Zeit, bis 1925

Erst am 24. September 1925 bekam der Berg den Namen Uludağ, „Großer Berg“. Heute ist er Nationalpark und Skigebiet – und dort wachsen noch immer Tannen- und Buchenwälder.

Wissenschaft

Eine Tanne für wärmere Zeiten

Die Türkische Tanne wächst dort, wo im Sommer wenig Regen fällt: In den Gebirgen im Nordwesten der Türkei kommen im Jahr 800–1.600 mm Niederschlag zusammen, im Sommer aber nur etwa 150 mm. Das hat sie geprägt. Nach Angaben von Baumschulen kommt sie mit karger, trockener Erde und langer Trockenheit gut zurecht und kam mit Hitzesommern wie 2003 und 2015 problemlos zurecht.

150 mm
Sommerniederschlag in der Heimat – für eine Tanne sehr wenig
800–2.000 m
Höhenlage, in der sie in der Türkei wächst
−20 bis −23 °C
Frosthärte laut Baumschulen

Sie wächst im Gebirge auf unterschiedlichem Gestein: auf Sandstein, Flysch, Mergelschiefer und Karbonaten. Im Garten gelten durchlässige, eher saure bis neutrale Böden als sicherer; sehr kalkreiche Böden meidest du besser. Im Forstbestand baut sie große Holzmengen auf: Die Massenleistung liegt bei etwa 430–860 Festmetern pro Hektar. Voraussetzung ist, dass sie sich eingewurzelt hat; in der Jugend wächst sie langsam.

Verträgt sie gut
Hitze & Trockenheit Karge Böden Frost etwa −20 bis −23 °C Sonne bis Halbschatten
Ihre Schwachstellen
Staunässe Schneedruck auf den Zweigen Stark kalkhaltige Böden
Bei viel Nassschnee können junge Zweige unter der Last brechen – lockeres Zusammenbinden hilft.
Dr. Feelgood

Weihnachtsduft, Holz & Weihnachtsbaum

Tannen sind Wohlfühlbäume: Ihr frischer, harziger Duft gehört zu den bekanntesten Waldgerüchen. Die Türkische Tanne bringt dazu ein helles, weiches Holz und einen dichten Wuchs mit. Wir zeigen dir, was sie im Garten und im Haus bietet.

Im Garten

Dichter, harmonischer Wuchs mit starken, robusten Ästen.

Dunkelgrüne Nadeln mit silbrigem Schimmer.

Gilt als aussichtsreiche Tanne für trockene, warme Südhänge.

vs
Im Haus

Als Weihnachtsbaum geschätzt: schlank, dicht und mit Nadelhaltung ähnlich der Nordmanntanne.

Die Nadeln duften nach Weihnachten.

Bis zum Weihnachtsbaum ist es aus dem Samen ein langer Weg.

Duft
Nadeln wie zu Weihnachten

Die flachen Nadeln duften nach Weihnachten. Der Duft wird besonders spürbar, wenn man Zweige zwischen den Fingern reibt oder wenn die Sonne die Nadeln erwärmt.

Holz
Hell und weich

Das Holz ist hell, fast weiß, mit leichten gelben und roten Nuancen. Es ist mit dem der Weißtanne vergleichbar und wird in der Heimat für Dielen, Dachsparren, Schindeln und Bauholz sowie für Papier genutzt.

Fest
Weihnachtsbaum

Als Weihnachtsbaum gilt die Türkische Tanne laut Baumschulen als besonders harmonisch gewachsen; ihre Nadelhaltung ist ähnlich gut wie bei der Nordmanntanne.

Mykorrhiza

Pilzmantel an den Wurzelspitzen

Tannen gehören zu den Ektomykorrhiza-Bäumen: Ein Pilzmantel umhüllt ihre feinen Wurzelspitzen und versorgt sie mit Wasser und Nährstoffen, die Pilze im Gegenzug mit Zucker aus der Photosynthese. Die Wurzelzellen selbst bleiben unberührt. Das gilt für Tannen allgemein, etwa für die Nordmanntanne, mit der die Türkische Tanne eng verwandt ist, und für die Weißtanne, deren Pilzpartner gut erforscht sind.

Schema · Ektomykorrhiza (Türkische Tanne)
Pilzmantel außen Wurzelzellen bleiben unberührt
Schema · Arbuskuläre Mykorrhiza (zum Vergleich)
Hyphen in der Zelle Bäumchenartige Arbuskel in der Zelle
Ekto
Mykorrhiza-Typ der Tannen: Ein Pilzmantel umhüllt die Wurzelspitzen
Lachsreizker
auffälligster Pilzpartner der verwandten Weißtanne
Agaricales
dominierende Pilzgruppe an den Wurzeln dreijähriger Nordmanntannen in Baumschulen

Bei der Weißtanne nennt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) als auffälligsten Partner den Lachsreizker (Lactarius salmonicolor), dazu den Weißtannentäubling (Russula cavipes) und den Weißtannen-Rötling (Entoloma venosum). Die meisten Pilzpartner teilt die Tanne mit anderen Nadelbäumen. In Baumschulen in Dänemark und Deutschland fand eine Studie an dreijährigen Nordmanntannen als wichtigste Pilzgruppe an den Wurzeln die Agaricales, zu denen viele Ektomykorrhiza-Pilze zählen.

Wer gehört zu welcher Gilde
Ginkgo
Steinweichsel
vs
Troja-Tanne
Türkische Tanne & Co.
Arbuskuläre Mykorrhiza (Ginkgo, Zypresse, Lebensbaum, Bienenbaum, Flieder, Gewürzstrauch, Holunder, Judasbaum, Moringa, Ölweide, Perückenstrauch, Sanddorn, Schlehdorn, Steinweichsel, Sommerlinde – rund 72 % aller Pflanzenarten bilden diesen Typ) Ektomykorrhiza (Nordmanntanne, Troja-Tanne, Türkische Tanne, Balsamtanne, Bergkiefer, Edeltanne, Erle, Fichte, Hainbuche, Kiefer, Lärche, Sommerlinde, Buche, Eiche, Birke)
Die populäre Vorstellung, Bäume würden über Pilznetzwerke gezielt Ressourcen oder Warnsignale an ihre Nachkommen schicken, gilt in der Fachliteratur seit 2023 als nicht belegt (Karst, Jones & Hoeksema, Nature Ecology & Evolution). Gut belegt ist dagegen, dass Tannen von ihren Pilzpartnern profitieren.
Ökologie

Bergwald, Adler & Eule

Die Türkische Tanne ist ein Waldbaum: In ihrer Heimat mischt sie sich mit Orientbuche, Waldkiefer und Schwarzkiefer. Am Uludağ bilden Tannen und Buchen ausgedehnte Wälder, und darüber öffnet sich der Berg zu Alpinwiesen. Der Nationalpark ist ein Lebensraum für viele Arten.

Bartgeier & Steinadler
Raufußkauz
Tannen-Buchen-Wald
Krokus & Primel auf Bergwiesen

Zu den Bewohnern des Uludağ-Nationalparks zählen Greifvögel wie Bartgeier und Steinadler sowie der seltene Raufußkauz; auf den Wiesen blühen Primeln und Krokusse. Der Tannen-Buchen-Wald bietet vor allem dem Raufußkauz Deckung, die Greifvögel nutzen die offenen Hänge darüber. Wer eine Türkische Tanne pflanzt, holt einen Baum aus dem Bergwald in den Garten: dichte Zweige, Schutz für Vögel und ein immergrünes Kleid im Winter.

Verantwortung

Platz, Schnee & Boden

Die Türkische Tanne ist ein pflegeleichter, robuster Gast – aber sie wird groß. Wer sie pflanzt, sollte Platz, Boden und Schnee im Blick haben.

Platz
Mit meist 30–40 m Höhe wird die Türkische Tanne ein großer Baum. Sie braucht Abstand zu Häusern und Leitungen und ist für kleine Gärten nicht geeignet.
Schnee & Boden
Bei viel Nassschnee können die Zweige junger Bäume unter der Last brechen: Binde junge Tannen im Winter locker zusammen. Sie wächst am besten in durchlässigem Boden; Staunässe verträgt sie nicht, und stark kalkhaltige Böden sind nicht ideal.
Im Garten
Pflanze sie als Solitär auf einer großen Fläche, an einem sonnigen bis halbschattigen, durchlässigen Platz. Auf trockenen Südhängen fühlt sie sich besonders wohl.

Anders als die seltene Troja-Tanne ist die Türkische Tanne in ihrer Heimat weit verbreitet und ein wichtiger Forstbaum. Sie gilt als aussichtsreiche Tanne für wärmere Sommer.

Platzbedarf
Meist 30–40 m hoch; viel Abstand zu Gebäuden und Leitungen einplanen
Schneedruck
Bei jungen Tannen die Zweige bei viel Nassschnee locker zusammenbinden
Boden
Durchlässig und eher sauer bis neutral; keine Staunässe
Anbau-Guide

Türkische Tanne aus dem Samen: der komplette Pflege-Leitfaden

Boden
Durchlässig, eher sauer bis neutral
Standort
Sonne bis Halbschatten
Wasser
Mäßig, keine Staunässe
Wachstum
Anfangs langsam, später rasch
Winterhärte
Etwa −20 bis −23 °C
Geduld
4–6 Wochen Kühlschrank
Boden
Durchlässig, eher sauer bis neutral; karge Böden sind kein Problem, Staunässe schon
Standort
Sonne bis Halbschatten; als Keimling halbschattig
Wasser
Jungpflanzen gleichmäßig leicht feucht halten; ältere Bäume sind trockenheitsverträglich
Schnitt
Nicht schneiden; die Tanne bildet ihre gestufte Krone von selbst
Frost
Winterhart etwa −20 bis −23 °C; junge Pflanzen im ersten Winter mit Vlies oder Reisig schützen
Schnee
Bei jungen Tannen und viel Nassschnee die Zweige locker mit einer Schnur zusammenbinden

Vermehrung aus Samen

Die Türkische Tanne gehört zum Keimtyp „Kurzer Winterschlaf“: Ihre Samen brauchen nur eine kurze Kältephase. Für die Anzucht im Pflanz-Set heißt das: 24 Stunden einweichen, 0,5–1 cm tief säen, den Topf in einem verschlossenen Beutel 4–6 Wochen in den Kühlschrank stellen und danach halbschattig bei 15–20 °C aufstellen. Die Keimung dauert dann etwa 3–6 Wochen.

Woodys Tipp: Später steckt sie Hitze und Frost weg, beim Keimen ist sie aber eine ganz normale Tanne: erst Kühlschrank, dann hell und kühl aufstellen – bitte nicht auf die Heizung. Und: Tannensamen stecken voller Harz, nicht zerdrücken und nicht anritzen.
Nur die Saatkapsel (Seed-Cap) ohne Pflanztopf bestellt? Dann fehlen dir noch ein kleiner Topf (ca. 150 ml) und etwas Anzuchterde – den Rest der Anleitung machst du genauso.

So geht's Schritt für Schritt

1
24 h

24 Stunden in Wasser einweichen. Die Samen nicht zerdrücken und nicht anritzen – sie stecken voller Harz.

2
0,5–1 cm

In die feuchte Erde säen – Tiefe: 0,5–1 cm.

3
2–5 °CSamen

Den Topf 4–6 Wochen in einem verschlossenen Beutel ins Gemüsefach (2–5 °C) stellen. Alle 1–2 Wochen nachsehen.

4

Danach halbschattig bei 15–20 °C (eher kühl) aufstellen und feucht halten – bitte nicht auf die Heizung.

Die Keimung dauert etwa 3–6 Wochen.


Tag 0
24 Stunden einweichen, 0,5–1 cm tief säen

+ 4–6 Wochen
Kältephase bei 2–5 °C im Kühlschrank (Gemüsefach)

+ 3–6 Wochen
Halbschattig bei 15–20 °C – der erste Spross erscheint

Wenn der Sämling doppelt so hoch ist wie der Topf breit, kann er umgetopft oder ausgepflanzt werden. Türkische Tannen wachsen in den ersten Jahren langsam – lass dich davon nicht entmutigen, denn später legen sie kräftig zu.

Rhythmen der Natur
Säen, Pflegen & Ernten im Rhythmus von Sonne, Mond und Jahreszeit

Neumond

Zunehmende Sichel

Erstes Viertel

Zunehmend

Vollmond

Abnehmend

Letztes Viertel

Abnehmende Sichel
Mondkalender

Mond, Gezeiten, Jahreszeiten: was an der alten Weisheit dran ist

Menschen richten ihre Aussaat- und Erntekalender seit jeher nach den großen Rhythmen der Natur – nach Sonnenstand, Temperatur, Tageslicht und eben auch dem Mond. Vieles davon ist gut belegt: Dass Jahreszeit, Tageslicht und Bodentemperatur darüber entscheiden, wann ein Same keimt und wie ein Baum wächst, ist botanisch gut abgesichert. Und der Mond bewegt nachweislich ganze Ozeane als Gezeiten – in der Natur gibt es sogar Tierarten, deren Fortpflanzung sich exakt nach Mondphasen richtet, etwa bestimmte Korallen und Meereswürmer, die ihre Laichzeiten auf einzelne Nächte um den Vollmond herum synchronisieren. Die Vorstellung, dass in der Natur vieles miteinander verbunden ist und sich nach wiederkehrenden Rhythmen richtet, ist also gut belegt.

Ob sich das auch ganz konkret auf die Gartenpraxis überträgt – also darauf, ob du bei zunehmendem oder abnehmendem Mond aussäen oder ernten solltest, wie es die seit den 1960er-Jahren populären biodynamischen Säkalender von Maria Thun empfehlen – ist eine speziellere und schwerer zu beantwortende Frage. Eine Masterarbeit der Universität für Bodenkultur Wien, die Thuns Prinzipien an Radieschen, Karotten und Sonnenhut testete, fand dazu kein einheitliches Muster; die Autorin selbst schlug vor, dass ein einzelnes Anbaujahr dafür noch keine abschließende Antwort liefern kann. Die Frage ist deshalb offen, nicht widerlegt: Wer nach dem Mond aussät, kann das gern tun – verlassen kannst du dich am ehesten auf das, was gut erforscht ist: die richtige Jahreszeit, Aussaattiefe und -temperatur, gleichmäßige Feuchtigkeit, ausreichend Licht und – bei der Türkischen Tanne ganz besonders – ein eher kühler Keimplatz.

Häufig gefragt

FAQ zur Türkischen Tanne

Woher kommt die Türkische Tanne?
Aus den Gebirgen im Nordwesten der Türkei, zwischen dem Fluss Kızılırmak und dem Uludağ. Dort wächst sie in etwa 800 bis 2.000 m Höhe, meist im Mischwald mit Orientbuche, Waldkiefer und Schwarzkiefer.
Was ist der Unterschied zur Nordmanntanne?
Die Türkische Tanne ist eng mit der Nordmanntanne verwandt und wird teils als deren Unterart geführt. Sie stammt aus dem sommertrockenen Nordwesten der Türkei, die Nordmanntanne aus dem Kaukasus; ihre Triebe sind meist kahl, ihre Knospen oft harzig.
Ist die Türkische Tanne dasselbe wie die Troja-Tanne?
Nicht ganz: Manche Nachschlagewerke fassen beide als eine Unterart (subsp. equi-trojani) zusammen, weil sich kultivierte Herkünfte genetisch kaum unterscheiden. Die Troja-Tanne wächst nur in wenigen Gebirgen mit dem Kaz Dağı als Schwerpunkt, die Türkische Tanne ist in der Türkei viel weiter verbreitet.
Wie groß wird sie?
Meist 30–40 m, in den Küstengebirgen bis etwa 45 m. Sie ist deshalb nur etwas für große Grundstücke mit viel Abstand zu Häusern und Leitungen.
Verträgt sie Hitze und Trockenheit?
Nach Angaben von Baumschulen gut: Sie stammt aus Gebirgen mit trockenen Sommern und kommt mit Hitze und kargen Böden zurecht. Als Jungpflanze braucht sie aber gleichmäßige Feuchtigkeit.
Eignet sie sich als Weihnachtsbaum?
Ja, in der Baumschulpraxis gilt sie als gute Weihnachtsbaum-Tanne mit dichtem Wuchs und guter Nadelhaltung. Aus dem Samen dauert es allerdings viele Jahre, bis sie so groß ist.
Warum nicht auf die Heizung?
Tannensamen wollen kühl keimen. Nach der Zeit im Kühlschrank stellst du den Topf hell und kühl auf, bei etwa 15–20 °C. Zu viel Wärme schadet der Keimung.
Welcher Olymp ist gemeint?
Der Uludağ in der Nähe von Bursa hieß in der Antike Olympos, später Mysischer oder Bithynischer Olymp. Er ist 2.543 m hoch und heute Nationalpark. Mit dem Götterberg in Griechenland hat er nur den Namen gemeinsam.
Quellen

Verwendete Quellen für diese Seite

  1. Taxonomie: Trees and Shrubs Online: Abies nordmanniana
  2. Nordmanntanne & Unterarten: Wikipedia (EN): Abies nordmanniana
  3. Erstbeschreibung: GBIF: Abies bornmuelleriana Mattf. (Notizbl. Bot. Gart. Berlin-Dahlem 9: 239, 1925)
  4. Verbreitung & Merkmale: Uludağ Göknarı (Abies nordmanniana subsp. bornmülleriana). DergiPark
  5. Heimat & Standort: Klimahelden des Waldes: Türkische Tanne
  6. Standort & Frosthärte: Klimawandelgehölze: Türkische Tanne
  7. Wuchs & Verwendung: Die Forstpflanze: Türkische Tanne
  8. Weihnachtsbaum: HS Baum: Türkische Tanne
  9. Schneedruck & Zapfen: Jens Gerdes: Abies bornmuelleriana (Klein-Asien-Tanne)
  10. Uludağ: Wikipedia (EN): Uludağ
  11. Geschichte des Uludağ: 100 Years of Uludağ – A Mountain’s Century
  12. Herodot: Herodot: Atys and Adrastus (Historien I, 34–45)
  13. Joseph Bornmüller: Wikipedia (EN): Joseph Friedrich Nicolaus Bornmüller
  14. Mykorrhiza der Tanne: LWF Bayern: Die Tanne und ihre Welt der Pilze
  15. Mykorrhiza Nordmanntanne: Garcia-Lemos et al. (2019): Studie zu Pilz- und Bakteriengemeinschaften der Nordmanntanne in Baumschulen. Frontiers in Microbiology
  16. Mykorrhiza: Karst, Jones & Hoeksema (2023): Positive citation bias and overinterpreted results lead to misinformation on common mycorrhizal networks in forests. Nature Ecology & Evolution
  17. Anbau: meinwoody: Pflanz- und Pflegeanleitung (Aussaat-Richtwerte)
  18. Mondkalender: Universität für Bodenkultur Wien (BOKU): Masterarbeit zu kosmischen Mondeinflüssen nach Maria Thun

Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine botanische oder gärtnerische Fachberatung. Unsere Türkische-Tanne-Baum-Pflanz-Sets sind für den Anbau im eigenen Garten gedacht.

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