Ginkgo biloba - Pflanzenpass

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Ginkgo biloba

Familie: Ginkgoaceae · letzte lebende Art ihrer gesamten Pflanzenfamilie
GinaGinoJin

Ein lebendes Fossil: Schon vor rund 170 Millionen Jahren wuchsen Ginkgos mit Blättern, die den heutigen sehr ähnlich sehen, seine Linie ist älter als die Dinosaurier — und er gilt als besonders widerstandsfähiger Baum.

  • Weltrekorde & älteste Bäume der Erde
  • Mythologie aus China, Japan & Europa
  • Was Studien wirklich zeigen
Ginkgo Baum-Pflanz-Set von meinwoody
Dein Ginkgo,
deine Geschichte

Älter als die Dinosaurier. Und das sieht man ihm nicht mal an.

Der Ginkgo sieht heute fast genauso aus wie seine Vorfahren vor rund 170 Millionen Jahren — ein Baum, der schon da war, bevor es die meisten Blumen überhaupt gab. Seine ganze erstaunliche Geschichte erzählen wir dir weiter unten.

Botanik

Der Ginkgo ist keine „Art“ — er ist eine ganze ausgestorbene Welt, die überlebt hat

Ginkgo biloba ist der letzte lebende Vertreter einer eigenen Pflanzenordnung (Ginkgoales), deren älteste Fossilien rund 270 Millionen Jahre alt sind. Die Gruppe war im Erdmittelalter weit verbreitet und ging ab der Kreidezeit über viele Jahrmillionen hinweg zurück; in Nordamerika und Europa verschwindet der Ginkgo erst im Miozän und Pliozän (vor rund 15 bis 2,5 Millionen Jahren) aus dem Fossilbericht. Überlebt hat ausgerechnet diese eine Art — in Rückzugsgebieten in China. In Europa wurde der Baum erst Ende des 17. Jahrhunderts bekannt. Botanisch gehört der Ginkgo weder zu den Laub- noch zu den klassischen Nadelbäumen: Er bildet die Ordnung Ginkgoales in der Familie Ginkgoaceae, mit Ginkgo biloba als einziger heute lebender Art.

∼270 Mio. Jahre
Älteste Fossilien der Pflanzenordnung Ginkgoales
∼170 Mio. Jahre
Jura-Fossilien zeigen Blätter, die heutigen sehr ähnlich sehen
Miozän/Pliozän
Der Ginkgo verschwindet aus dem Fossilbericht Europas und Nordamerikas — er überlebt in China
1690
Engelbert Kaempfer lernt den Baum in Japan kennen — 1712 erscheint die erste westliche Beschreibung
Heute
Einzige lebende Art ihrer gesamten Ordnung — auch bei dir im Topf
Wuchshöhe
Meist 15–30 m; einzelne Bäume in China deutlich höher
Lebensalter
Einzelbäume in China werden auf über 1.000, teils bis 3.000 Jahre geschätzt
Blatt
Fächerförmig, zweilappig („biloba“), leuchtend goldgelb im Herbst
Fortpflanzung
Zweihäusig — männliche und weibliche Bäume wachsen getrennt

Ein entscheidendes botanisches Detail, das viele Gartenbesitzer:innen überrascht: Der Ginkgo ist diözisch, also zweihäusig — es gibt reine „männliche“ und reine „weibliche“ Bäume, niemals beides an einem Exemplar.

♂ Männlich

Trägt im Frühjahr kleine, unauffällige Kätzchen-Zapfen mit Pollen.

Kein Geruch, keine „Früchte“ — deshalb fast immer die Wahl für Straßen, Gärten & Städte.

Sorten wie ‘Princeton Sentry’ oder ‘Autumn Gold’ sind gezielt geklonte männliche Exemplare.

vs
♀ Weiblich

Trägt im Herbst pflaumenähnliche Samenmäntel — botanisch keine echten Früchte, sondern freiliegende Samen.

Beim Reifen/Faulen entstehen Buttersäure & Hexansäure — daher der strenge Geruch, der Ginkgo-Weibchen in Stadtplanungen unbeliebt macht.

Ginkgosamen sind zum Einpflanzen da, nicht zum Essen — sie sollten von Kindern und Haustieren ferngehalten werden (mehr dazu in den FAQ).

Kurioses Extra-Detail: Ob ein Ginkgo männlich oder weiblich ist, zeigt sich äußerlich meist erst nach 20–30 Jahren, wenn der Baum zum ersten Mal blüht. Baumschulen umgehen das, indem sie Stecklinge oder Veredelungen von bereits bekannten, ausgewachsenen männlichen Bäumen nehmen — dein junger Ginkgo im Topf „weiß“ sein Geschlecht also botanisch gesehen schon, du siehst es nur noch nicht.

Die namensgebende Zweilappigkeit des Blattes (biloba = „zweilappig“) war es auch, die Johann Wolfgang von Goethe 1815 zu einem seiner bekanntesten Gedichte inspirierte — dazu mehr weiter unten.

Pflanzenteile im Überblick

Vier Merkmale, an denen du einen Ginkgo — ob als Jungpflanze im Topf oder als ausgewachsenen Baum — immer zweifelsfrei erkennst.

Gabelige Aderung, keine Quervernetzung Stiel Einschnitt
01 · Blatt
Fächerblatt & Aderung

Zweilappig, mit gabelig verzweigten Adern, die fächerförmig vom Stiel zum Blattrand laufen — ein Ur-Muster, das sich seit Jahrmillionen kaum verändert hat.

Fleischiger Samenmantel Harte Schale Innerer Kern Keimling
02 · Samen
Samen im Querschnitt

Botanisch keine Frucht, sondern ein freiliegender Samen mit drei Schichten von außen nach innen.

Rinde Splintholz Kernholz
03 · Stamm
Stammquerschnitt

Von außen nach innen (schematisch): Rinde, wasserführendes Splintholz, Kernholz.

Keimling ~5 Jahre 50+ Jahre 15 cm 2 m 25 m
04 · Wachstum
Wachstumsstadien

Vom Keimling über den Jungbaum bis zum ausgewachsenen Ginkgo — langsam, aber ohne Punkt am Ende.

05 · Habitus
Der ganze Baum

Jung schlank und kegelförmig, im Alter breit ausladend mit tief gefurchter Rinde.

  • Krone je nach Wuchsform schlank-säulenförmig (um 10 m breit) bis breit ausladend
  • Kurztriebe mit Blattbüscheln, Langtriebe mit Einzelblättern
Weltrekorde

Alte und große Ginkgo-Bäume: Beispiele aus China und Europa

Weil der Ginkgo sehr alt werden kann und robust gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Luftverschmutzung ist, stehen weltweit noch Exemplare, die schon vor Jahrhunderten gepflanzt wurden.

Wie hoch ein Ginkgo wirklich wird

1,8 m
18 m
25 m
40 m
Mensch
Petrihaus, Rödelheim,
Frankfurt am Main
Schlosspark Jahnishausen,
Sachsen (geschätzt)
Große Exemplare
in China

Wann die alten Exemplare gepflanzt wurden

über
1000 J.

China — hier stehen die ältesten bekannten Ginkgos: Für einzelne Bäume werden über 1.000, für einen Baum in der Provinz Shandong sogar über 3.000 Jahre angegeben (Schätzungen aus Chroniken, keine Jahrringzählung). Sie standen bereits, als in Europa noch kein einziger Ginkgo wuchs.

1700
1850
1730
Utrecht, Niederlande
wohl ältester außerhalb Asiens
1750
Petrihaus, Frankfurt-Rödelheim
ca. 1810
Schlosspark Jahnishausen
Nationalerbe-Baum

Im Botanischen Garten Jena erinnert der „Goethe-Ginkgo“ an Goethes Zeit als Betreuer des Gartens ab 1794. Ein genaues Pflanzjahr ist nicht überliefert, deshalb steht er nicht auf der Zeitleiste.

Alle Rekord-Bäume im Überblick

Standort Geschätztes Alter / Besonderheit
Berg Fulai, Provinz Shandong, China Über 3.000 Jahre angegeben — ältester gemeldeter Einzelbaum; Schätzung nach Chroniken, keine Jahrringzählung
Utrecht, Niederlande (Botanischer Garten) Nach Angabe der Universität um 1730 gepflanzt — vermutlich das älteste Exemplar außerhalb Asiens
Petrihaus, Rödelheim, Frankfurt am Main Etwa 1750 gepflanzt, rund 18 m hoch, als Naturdenkmal geschützt
Schlosspark Jahnishausen bei Riesa, Sachsen Nationalerbe-Baum: ca. 210 Jahre alt und ca. 25 m hoch (geschätzt), Stammumfang 5,15 m (gemessen 2019)
Botanischer Garten Jena Der „Goethe-Ginkgo“ erinnert an Goethes Zeit als Betreuer des Gartens — Pflanzjahr nicht überliefert
Berg Jinfo (Chongqing) & Berg Dalou (Guizhou), China Mutmaßliche eiszeitliche Rückzugsgebiete, aus denen die heutigen Ginkgos stammen

Zum Größenvergleich: In seiner chinesischen Heimat erreichen Ginkgos bis zu rund 40 Meter Höhe; für einzelne Bäume werden über 1.000 bis über 3.000 Jahre angegeben (Schätzungen aus Chroniken und Überlieferung) — der Ginkgo zählt damit zu den langlebigsten Baumarten.

Hibakujumoku

Sieben Ginkgos in Hiroshima: die Überlebenden

Kein anderes Beispiel zeigt die Widerstandsfähigkeit des Ginkgo so eindrücklich wie das, was am 6. August 1945 in Hiroshima geschah. Sieben Ginkgo-Bäume in Hiroshima stehen auf der offiziellen Liste der hibakujumoku, der „von der Atombombe betroffenen Bäume“. Sie überlebten den 6. August 1945 in 1,1 bis 2,2 Kilometern Entfernung vom Hypozentrum — und stehen bis heute in der Stadt.

Anzahl Überlebende
7 Ginkgo-Bäume auf der offiziellen Hibakujumoku-Liste der Stadt Hiroshima, alle weiterhin registriert
Alter der Bäume
Shukkei-en: von der Stadt auf über 200 Jahre geschätzt · Jōsai-ji: 1918 gepflanzt, 1945 also rund 27 Jahre alt · für die übrigen liegen keine gesicherten Pflanzjahre vor
Warum sie überlebten
Nicht abschließend geklärt. Dokumentiert: entlaubt, teils verkohlt, im Jahr darauf wieder ausgetrieben — genannt werden u. a. geschützte Wurzelbereiche und das hohe Regenerationsvermögen

Wo die sieben Bäume standen

1 km 2 km 3 km Hypozentrum 1 2 3 4 5 6 7
Die sieben Bäume standen 1,1 bis 2,2 Kilometer vom Hypozentrum entfernt.
1
Tempel Hōsenbō · 1,1 km
2
Garten Shukkei-en · 1,4 km
3
Senda-Grundschule · 1,4 km
4
Tempel Jōsai-ji · 1,4 km
5
Tempel Myōjō-in · 1,8 km
6
Tsuruhane-Schrein · 1,8 km
7
Tempel Anraku-ji · 2,2 km
Schematische Darstellung der Entfernungen (Quelle: Stadt Hiroshima), keine Lagekarte — die Himmelsrichtungen sind nicht maßstäblich.

Von der verkohlten Rinde zum neuen Austrieb

6. August 1945
Die Hitzestrahlung wirkte nur rund drei Sekunden lang. Am Boden unter dem Explosionspunkt erreichte sie nach Angaben der Stadt Hiroshima etwa 3.000 bis 4.000 °C; Holz und Bäume entzündeten sich noch in rund drei Kilometern Entfernung.
Im Jahr darauf
Die Bäume waren entlaubt und teils verkohlt, trieben aber wieder aus. Warum gerade sie überlebten, ist nicht abschließend geklärt.
Heute
Alle sieben Ginkgos sind weiterhin als hibakujumoku registriert; der Baum im Jōsai-ji war zuletzt (Berichte von 2024) erkrankt und wird behandelt. Über die Initiative „Green Legacy Hiroshima“ gelangen Samen und Setzlinge in über 40 Länder — 2024 erhielt etwa das Bates College in Maine Ginkgo-Samen.
Die sieben Ginkgos stehen bis heute an ihren Standorten in Hiroshima — ein stilles Beispiel dafür, wie widerstandsfähig dieser Baum sein kann.
1.000+

Jahre Tempeltradition

Schon lange bevor Goethe den Ginkgo in Europa bekannt machte, standen in China und Japan Tempel-Ginkgos, die über Jahrhunderte als lebende Wahrzeichen verehrt wurden — manche stehen bis heute.

Mythologie & Kultur

Heilig in China, Symbol der Ausdauer in Japan, literarisches Rätsel in Europa

China · seit über 1.000 Jahren
Die Wiege des Baumes

Ginkgo (银杏, yínxìng, „Silberaprikose“) wurde gezielt an buddhistischen und taoistischen Tempeln gepflanzt — seine Langlebigkeit galt als Sinnbild für spirituelle Beständigkeit.

Europa · ab 1730
Von Kaempfer nach Utrecht nach Weimar

Der deutsche Naturforscher Engelbert Kaempfer lernte den Baum 1690 in Japan kennen und beschrieb ihn 1712 erstmals für ein westliches Publikum. Um 1730 wurde in Utrecht ein Ginkgo gepflanzt, der nach Angabe der Universität vermutlich der älteste außerhalb Asiens ist — in der Folge verbreitete sich der Baum in Schlossparks und Botanischen Gärten, bis Goethe ihn 1815 literarisch verewigte.

Ginkgo, Ginkyo, Gingko: ein Name mit vermutlich eingebautem Schreibfehler

Kaempfer notierte den Namen in Japan mit Hilfe seines Assistenten Imamura Gen’emon und beschrieb den Baum 1712 in seinem Werk Amoenitatum Exoticarum erstmals für den Westen. Nach der japanischen Lesung der Schriftzeichen 銀杏 (ginkyō; chinesisch 银杏, yínxìng, „Silberaprikose“) hätte er etwa „Ginkjo“ schreiben müssen — in seinen Aufzeichnungen steht jedoch „Ginkgo“. Der Japanologe Wolfgang Michel führt das auf einen Schreibfehler Kaempfers selbst zurück; über die genauen Umstände wird geforscht. Carl von Linné übernahm die Schreibweise 1771 für die botanische Klassifikation, seither ist sie festgeschrieben. Bis heute trägt der Baum damit sehr wahrscheinlich einen kleinen, nie korrigierten Schreibfehler in seinem wissenschaftlichen Namen.

Der Großvater-Enkel-Baum

Einer seiner alten chinesischen Namen ist noch persönlicher: „Gongsun Shu“ (公孙树), der Großvater-Enkel-Baum. Überliefert wird er meist so erklärt, dass man die ersten Früchte eines gepflanzten Ginkgos erst als Großvater erlebt — ein aus Samen gezogener Ginkgo blüht tatsächlich erst nach etwa 20 bis 30 Jahren. Wer einen Ginkgo aus Samen zieht, pflanzt ihn also selten für sich selbst, sondern für die nächste oder übernächste Generation. Eine gesicherte Herleitung des Namens gibt es allerdings nicht.

Literatur

Goethes Ginkgo-Gedicht: ein Liebesrätsel in Blattform

1815 schickte Johann Wolfgang von Goethe seiner Freundin und Muse Marianne von Willemer (genannt „die Wilmer“) ein Ginkgo-Blatt. Wenig später schrieb er dazu das Gedicht „Gingo biloba“ (in der Erstschreibweise), das er in seinen West-östlichen Divan aufnahm — eine Gedichtsammlung, an der Marianne von Willemer selbst mit mehreren Suleika-Gedichten beteiligt war — in der Forschung werden meist drei bis vier genannt.

Ein Lebewesen — oder zwei?

Das gefächerte, zweigeteilte Blatt wirft die Frage auf, die Goethe zum zentralen Bild seines Gedichts machte:

Ein Blatt
Gefächert, an einem Stiel, aus einer Knospe gewachsen.
Zwei Lappen
Der Einschnitt in der Mitte teilt die Fläche in zwei Hälften.
Zwei, die eins wurden
Goethes Bild für die Verbindung zwischen zwei Menschen.

Vom Blatt zum gedruckten Gedicht

15. September 1815
Boisserée notiert in seinem Tagebuch: Goethe habe der Wilmer ein Ginkgo-Blatt als „Sinnbild der Freundschaft“ geschickt.
27. September 1815
Erste überlieferte Handschrift, an Rosette Städel.
1819
Druckfassung im West-östlichen Divan, noch als „Gingo biloba“.
10. März 1820
Weitere Handschrift, an Herzog Carl August.
Wissenschaft

Wurzeln, Dürre, Stadtluft: was den Ginkgo ökologisch besonders macht

Ginkgolide und Bilobalid, die charakteristischen Inhaltsstoffe des Ginkgoblatts, dienen dem Baum vermutlich als chemischer Schutz gegen Fraßinsekten und Pilze — eine mögliche Erklärung dafür, warum der Ginkgo in Europa nur selten befallen wird (mehr dazu im Abschnitt „Warum der Ginkgo (fast) keine Feinde hat“). Genauso gut erforscht wie diese Inhaltsstoffe ist inzwischen, was den Ginkgo als Organismus im Ökosystem so widerstandsfähig macht — von den Wurzeln bis zur Stadtluft.

Ein Wurzelsystem, das breiter denkt als tief

Eine umfassende botanische Übersichtsarbeit im Journal of Ecology (2022) fasst Untersuchungen aus China zusammen: Das Wurzelwerk des Ginkgo reicht seitlich etwa 1,9- bis 2,5-mal so weit wie die Baumkrone. Bei einem rund 1.000 Jahre alten, 30 Meter hohen Exemplar wurden Wurzeln in mehr als 37 Metern Entfernung vom Stamm dokumentiert, rund 76 % der Wurzelmasse lagen in den obersten 80 Zentimetern Boden — Einzelbefunde, keine Normwerte. Ein flaches, aber weit ausgreifendes Wurzelnetz kann dazu beitragen, Hangböden zu stabilisieren und Regenwasser aufzunehmen.

Kronenbreite über 37 m vom Stamm — 1,9- bis 2,5-mal so weit wie die Krone 76 % der Wurzelmasse in den obersten 80 cm
Schemazeichnung nach den Werten der Übersichtsarbeit im Journal of Ecology (2022): rund 1.000 Jahre altes, 30 Meter hohes Einzelexemplar in China.

Dürre, Salz, Abgase: ein Überlebenskünstler

In einem chinesischen Vergleich von sieben Aufforstungsbaumarten erreichte der Ginkgo Platz 2 bei der Trockenresistenz, nur von der Masson-Kiefer übertroffen; in der deutschen KlimaArtenMatrix für Stadtbäume gilt er bei der Trockentoleranz als „sehr geeignet“. Bei Blattschäden durch Luftschadstoffe zeigte er sich in einer Untersuchung toleranter als 15 verglichene Baumarten; gegenüber Schwefeldioxid und Stickoxiden ist er robust, gegenüber Fluoriden dagegen nur mäßig widerstandsfähig. Zusätzlich toleriert er Hitze, Frost, Schwermetalle und leichten Salzstress. Eine echte Schwachstelle hat er trotzdem: Staunässe und dauerhafte Beschattung verträgt er schlecht (mehr dazu im Anbau-Guide).

Verträgt er gut
Dürre Hitze Frost Schwefeldioxid Stickoxide Schwermetalle leichter Salzstress
Seine Schwachstellen
Staunässe dauerhafte Beschattung
Deshalb ist gute Drainage beim Ginkgo im Topf so wichtig.
Platz 2
bei der Trockenresistenz, im Vergleich von sieben Aufforstungsbaumarten
15
verglichene Baumarten zeigten stärkere Blattschäden durch Luftschadstoffe
< 500 mm
Jahresniederschlag genügen ihm laut Übersichtsarbeit noch zum Wachsen
CO2 auf lange Sicht: Ein ausgewachsener Baum kann der Arbor Day Foundation zufolge über 48 Pfund (rund 22 Kilogramm) CO2 pro Jahr aufnehmen — ein allgemeiner Schätzwert, eine Ginkgo-spezifische Messreihe dazu gibt es nach unserem Kenntnisstand nicht. Was den Ginkgo dabei besonders machen kann, ist nicht die Jahresmenge, sondern die mögliche Lebensdauer: Ein Baum, der Jahrhunderte oder länger steht, hält den gebundenen Kohlenstoff entsprechend lange gebunden.
Die meisten Baumarten — Jahrzehnte bis Jahrhunderte
Ginkgo — Jahrhunderte bis über 1.000 Jahre

Zuhause für Vögel & Bodenleben

Das Herbstlaub eines Ginkgo wird von Bodenpilzen und anderen Bodenlebewesen zersetzt und geht so in den Humus ein, seine Krone bietet Vögeln einen Ruheplatz — und weil er selten von Schädlingen befallen wird, braucht er in deinem Garten in aller Regel keine Pflanzenschutzmittel, die Insekten schaden könnten.

Dr. Feelgood

Ginkgolide & Bilobalid: die Inhaltsstoffe einfach erklärt

Ginkgolide und Bilobalid sind die beiden charakteristischen Inhaltsstoffgruppen des Ginkgoblatts — für den Baum dienen sie vermutlich dem chemischen Schutz (mehr dazu im Abschnitt „Warum der Ginkgo (fast) keine Feinde hat“).

Was im Blatt tatsächlich drinsteckt

Chemisch ist das Ginkgoblatt vor allem wegen zweier Stoffgruppen interessant: den Terpenlactonen (dazu gehören die Ginkgolide, u. a. A, B, C und J, sowie das Bilobalid) und den Flavonoiden, also Pflanzenfarbstoffen wie Quercetin- und Kaempferol-Glykosiden. Die Ginkgolide sind botanisch eine kleine Besonderheit: Sie tragen eine tert-Butyl-Gruppe, die sonst in der Pflanzenwelt kaum vorkommt, und sind bislang nur aus dem Ginkgo bekannt.

Terpenlacton
Ginkgolide A, B, C

Diterpen-Trilactone mit ungewöhnlichem Käfiggerüst. Am besten untersucht ist Ginkgolid B.

Sesquiterpen-Trilacton
Bilobalid

Ein Sesquiterpen-Trilacton, bislang ebenfalls nur aus dem Ginkgo bekannt.

Was ein Standard-Extrakt ausmacht

In Arzneimitteln wird nicht einfach zerkleinertes Blatt verwendet, sondern ein aufwendig aufgereinigter Spezialextrakt mit festgelegten Gehalten. Das Europäische Arzneibuch beschreibt dafür einen „raffinierten und quantifizierten“ Trockenextrakt.

Bestandteil Rolle im Standardextrakt
Flavonglykoside 22–27 % des Extrakts — die mengenmäßig führende Gruppe
Terpenlactone (Ginkgolide + Bilobalid) Rund 5–7 % — die für Ginkgo charakteristische Fraktion
Ginkgolsäuren Auf höchstens 5 ppm begrenzt: hautreizend und allergen
Rohblatt (unbehandelt) Nicht vergleichbar — weder standardisiert noch von Ginkgolsäuren befreit
Deshalb ist ein Ginkgoblatt keine „natürliche Variante“ eines Extrakts: Die allergenen Ginkgolsäuren sind im rohen Blatt enthalten.
Nur im Ginkgo
Ginkgolide und Bilobalid sind bislang nur aus dem Ginkgo bekannt
Gehalt im Blatt
Schwankt deutlich nach Blattalter, Standort und Jahreszeit
Was der Baum in seinen Blättern bildet, dient ihm vermutlich als Schutz gegen Raupen und Pilze — eine plausible Hypothese, die von Laborstudien gestützt wird.Hypothese, gestützt durch Laborstudien (siehe Quellen)
Hinweis: Für Ginkgo-Arzneimittel weist die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) vorsorglich darauf hin, dass sie die Blutungsneigung erhöhen könnten; bei gerinnungshemmender Behandlung oder vor Operationen sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Fragen zu Präparaten hilft ärztlicher oder pharmazeutischer Rat.
400+

Millionen Jahre alte Partnerschaft

Die Symbiose zwischen Wurzeln und Pilzen ist ein noch älteres „lebendes Fossil“ als der Ginkgo selbst — sie half vermutlich schon frühen Landpflanzen beim Sprung aus dem Wasser aufs Trockene.

Unterirdisches Netzwerk

Ist dein Ginkgo Teil des „Wood Wide Web“? Fast — er spielt sogar ein älteres Spiel

Kaum ein Wald-Fakt hat sich in den letzten Jahren so sehr in den Köpfen festgesetzt wie das „Wood Wide Web“: Bäume, die über unterirdische Pilzfäden Wasser, Zucker und sogar Warnsignale austauschen. Der Grundmechanismus dahinter heißt Mykorrhiza — eine Symbiose zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzfäden (Hyphen), die das Wurzelsystem einer Pflanze um ein Vielfaches vergrößern. Aber es gibt nicht nur eine Art von Mykorrhiza, und genau hier wird es beim Ginkgo interessant.

Zwei Netzwerke, ein Prinzip

Die berühmten Wood-Wide-Web-Studien (u. a. an Douglasien und Papier-Birken, Simard et al. 1997) beschreiben ein bestimmtes Netzwerk: die Ektomykorrhiza. Dabei umhüllen Pilzfäden die Wurzelspitzen von außen und können mehrere Bäume derselben Waldgemeinschaft regelrecht miteinander verkabeln. Der Ginkgo gehört aber nicht zu dieser Gilde. Er bildet stattdessen die deutlich ältere, universellere Variante: die arbuskuläre Mykorrhiza, bei der die Pilzfäden direkt in die Wurzelzellen eindringen.

Schema · Ektomykorrhiza
Pilzmantel außen Wurzelzellen bleiben unberührt
Schema · Arbuskuläre Mykorrhiza
Hyphen in der Zelle Bäumchenförmige Arbuskel im Zellinneren
Ektomykorrhiza Typische „Wood-Wide-Web“-Bäume: Buche, Eiche, Fichte, Birke → Pilzfäden umhüllen die Wurzel von außen → können mehrere Bäume einer Waldgemeinschaft direkt verbinden
Arbuskuläre Mykorrhiza Der Ginkgo (und rund 72 % aller Pflanzenarten, darunter viele Nutzpflanzen) → Pilzfäden dringen in die Wurzelzellen ein → deutlich älteres, universelleres System, vor allem auf Wasser- und Nährstoffversorgung spezialisiert
Wer gehört zu welcher Gilde
Buche
Eiche
Fichte
Birke
vs
Ginkgo
Ektomykorrhiza Arbuskuläre Mykorrhiza
Netzwerk unter dem Boden
Verkabelte Waldgemeinschaft — und ein Baum, der sein eigenes Netz spinnt
Ektomykorrhiza Bäume einer Waldgemeinschaft direkt verbunden Ginkgo eigenes arbuskuläres Netz
Symbiose-Typ beim Ginkgo
Arbuskuläre Mykorrhiza (AMF/Endomykorrhiza)
Alter der Partnerschaft
Über 400 Millionen Jahre — unter den ältesten bekannten Pflanzen-Pilz-Allianzen überhaupt
Nutzen für den Baum
Bessere Aufnahme von Phosphor, Wasser & Spurenelementen, mehr Trockenstress-Toleranz
∼72 % der Arten
Verbreitung
Der Normalfall, nicht die Ausnahme
Arbuskuläre Mykorrhiza bei rund 72 % aller Pflanzenarten weltweit (Brundrett & Tedersoo 2018) — darunter viele Nutzpflanzen.
Tauschgeschäft an der Wurzel
Blatt Wurzel + Pilz Zucker vom Baum an den Pilz Wasser, Phosphor & Spurenelemente an den Baum
Bevor es überhaupt Bäume gab, gab es schon dieses Bündnis — versteinerte Wurzeln zeigen arbuskuläre Mykorrhiza bereits vor rund 400 Millionen Jahren, ältere Funde und molekulare Datierungen deuten auf noch frühere Ursprünge.Remy et al. 1994; Redecker et al. 2000 (siehe Quellen)
Zeitachse · älter als die Bäume
∼450 Mio. erste Pflanzen an Land Hinweise auf AM-Pilze >400 Mio. Partnerschaft belegt deutlich später Ektomykorrhiza-Gilde heute in vielen Böden aktiv
Auch die populäre Vorstellung, Bäume würden über Pilznetzwerke aktiv „kommunizieren“, sich gegenseitig warnen oder Mutterbäume ihre Sämlinge gezielt versorgen, wird von Fachleuten inzwischen ausdrücklich kritisch gesehen (Karst et al. 2023) — der Stoffaustausch zwischen Pflanzen und Pilzen ist gut belegt, viele weitergehende Deutungen sind es nicht. Dass Ginkgo-Wurzeln von arbuskulären Mykorrhizapilzen besiedelt werden, ist botanisch belegt (Fontana 1985; Übersicht im Journal of Ecology 2022); eine Ektomykorrhiza ist beim Ginkgo bislang nicht beschrieben. Über die ökologischen Feinheiten dieser Partnerschaft ist dagegen noch wenig bekannt (siehe Quellen).

Was das für deinen Ginkgo im Topf bedeutet

Dein Ginkgo „tratscht“ also vermutlich nicht mit der Buche im Nachbargarten über ein gemeinsames Pilznetzwerk — dafür ist er Teil eines Systems, das älter ist als Bäume selbst und bis heute in vielen Böden aktiv ist. In normaler Gartenerde siedeln sich diese Pilze meist von selbst an; du musst nichts extra tun, außer der Erde Zeit zu geben und sie nicht mit zu viel Dünger „totzupflegen“ — reichlich leicht verfügbarer Phosphor kann die Pilzbesiedlung der Wurzeln verringern, wie stark, hängt allerdings von Art und Standort ab.

1995

Das Jahr, in dem die Wölfe zurückkehrten

Nach rund 70 Jahren ohne Wölfe wurden im Yellowstone-Nationalpark wieder Wolfsrudel angesiedelt — Forschende diskutieren bis heute, wie stark das die Wapitihirsche und die Chancen junger Bäume am Flussufer verändert hat.

Ökosystem

Warum ein Wolf etwas mit deinem jungen Baum zu tun hat

Ob ein junger Baum überhaupt alt werden kann, entscheidet sich oft nicht am Baum selbst, sondern an dem, was um ihn herum passiert. Flora und Fauna sind so eng verflochten, dass das Verschwinden oder die Rückkehr eines einzigen Raubtiers ganze Landschaften verändern kann — ein Phänomen, das Ökolog:innen als „trophische Kaskade“ bezeichnen.

Das Yellowstone-Beispiel

Im Yellowstone-Nationalpark (USA) wurden Wolfsrudel in den 1920er-Jahren vollständig ausgerottet. Ohne ihren natürlichen Feind vermehrten sich Wapitihirsche stark und verbissen junge Weiden- und Pappeltriebe an Flussufern, bevor sie überhaupt hochwachsen konnten. Nach der Wiederansiedlung von Wolfsrudeln ab 1995 (14 Wölfe 1995, 17 weitere 1996) beobachteten Forschende, dass sich die Hirsche vorsichtiger und mobiler durch die Landschaft bewegten, statt sich dauerhaft an denselben Flussufern aufzuhalten — und an mehreren Flussabschnitten wieder aufwachsende Weiden und Pappeln, was wiederum Bibern neue Baumaterialien und Lebensraum verschaffte. Wie groß der Anteil der Wölfe an diesen Veränderungen ist, wird in der Wissenschaft bis heute diskutiert: Auch Wasserhaushalt, Biber, Klima und die Zahl der Wapitis spielen eine Rolle. Als Grundprinzip gilt aber: Raubtiere an der Spitze der Nahrungskette können sich bis auf die Vegetation am Boden auswirken.

Ohne Raubtier
Wolf fehlt
Ab den 1920er-Jahren ausgerottet.
Hirsche bleiben stehen
Sie halten sich dauerhaft an ergiebigen Stellen auf.
Dauerverbiss
Junge Weiden- und Pappeltriebe kommen nicht hoch.
Weniger Lebensraum
Für Biber, Vögel und Insekten fehlt das Material.
Mit Raubtier
Wolf kehrt zurück
Wiederansiedlung von Rudeln ab 1995.
Hirsche bleiben in Bewegung
Vorsichtiger und mobiler durch die Landschaft.
Weniger Verbiss
Jungbäume an Flussufern wachsen hoch.
Mehr Lebensraum
Biber, Vögel und Insekten finden Material und Deckung.

Schematische Darstellung. Wie groß der Anteil der Wolfsrückkehr an den beobachteten Veränderungen war, wird unter Ökolog:innen bis heute diskutiert.

Der Wolf in Deutschland: Rückkehr und Kontroverse

Auch in Deutschland breiten sich Wolfsrudel wieder aus, nachdem die Art hier lange Zeit ausgerottet war: Das erste Rudel wurde im Jahr 2000 in der Lausitz nachgewiesen, im Monitoringjahr 2024/25 zählte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes (DBBW) rund 219 Rudel. Der rechtliche Rahmen hat sich zuletzt verschoben: Die Berner Konvention stufte den Wolf im März 2025 von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herab, die EU zog im Juni 2025 nach (FFH-Richtlinie: von Anhang IV in Anhang V). In Deutschland unterliegt der Wolf seit dem 2. April 2026 dem Bundesjagdgesetz — nach dem Bundesnaturschutzgesetz bleibt er aber eine besonders geschützte Art (Stand: September 2026). Gleichzeitig führt die wachsende Population zu echten Konflikten mit der Weidetierhaltung, etwa bei Schafen und Rindern — Landwirt:innen und Naturschutzverbände bewerten die richtige Balance hier sehr unterschiedlich: Weidetierhalter:innen sehen in erleichterten Entnahmen einzelner Tiere einen notwendigen Herdenschutz, von Naturschutzseite wird das kritisch gesehen. Wissenschaftlich anerkannt ist, dass Raubtiere wie der Wolf für ein funktionierendes Waldsystem eine Rolle spielen können — wie groß sie im Einzelfall ist, hängt vom Lebensraum ab.

Und was hat das mit deinem Ginkgo zu tun?

Im eigenen Garten gibt es zum Glück keine Wapitihirsche — aber das Grundprinzip gilt im Kleinen genauso: Ein junger Ginkgo im Topf oder frisch ausgepflanzt ist am verwundbarsten, solange er klein ist. Igel, Spitzmäuse, Laufkäfer und Vogelarten wie Meisen halten Schnecken- und Insektenpopulationen in Schach, die sonst gezielt an zarten Jungpflanzen fressen würden — ganz ohne Pestizide. Je vielfältiger die Tierwelt in und um deinen Garten, desto besser stehen die Chancen, dass aus einem winzigen Setzling wirklich ein Baum fürs Leben wird.

Igel
Spitzmaus
Laufkäfer
Meise
bis 30

Zentimeter Wachstum im Jahr unter guten Bedingungen

Richtig gepflanzt und gepflegt, legt ein junger Ginkgo Jahr für Jahr zu — vom Boden-pH bis zum Rückschnitt zeigt dir der Pflege-Leitfaden, worauf es dabei ankommt.

Anbau-Guide

Ginkgo im eigenen Garten: der komplette Pflege-Leitfaden

Boden & pH
6–8, durchlässig
Standort
Sonnig (Jungpflanzen auch halbschattig)
Wasser
Gleichmäßig feucht
Wachstum
bis ca. 30 cm / Jahr
Winterhärte
Ausgewachsen frosthart
Schädlinge
Sehr robust
Boden & pH
Tiefgründig, durchlässig, nährstoffreich · pH-Bereich 4,5–8,5 verträglich, am besten bei pH 6–8 (neutral bis leicht alkalisch)
Standort
Vollsonnig (hoher Lichtanspruch); Jungpflanzen vertragen Halbschatten, dauerhafte Beschattung bremst das Wachstum
Wasser
Jungpflanzen gleichmäßig feucht halten; Staunässe unbedingt vermeiden (v. a. im Topf)
Wachstum
Unter guten Bedingungen bis etwa 30 cm Höhenzuwachs pro Jahr, in den ersten Jahren oft langsamer
Winterhärte
Ausgewachsen frosthart; Jungpflanzen in den ersten Jahren mit Jute/Vlies schützen
Schädlinge & Krankheiten
Sehr robust — in Mitteleuropa sind keine wirtschaftlich bedeutenden Schädlinge oder Krankheiten bekannt (vereinzelt wurden Blatt- und Fruchtpilze nachgewiesen)

Rückschnitt

Am besten im Frühjahr schneiden. Junge Bäume vertragen Auslichtung und Formschnitt gut. Als Bonsai kultiviert: sobald neue Triebe 5–6 Blätter zeigen, auf zwei Blätter zurückschneiden, um die kompakte Form zu erhalten.

Vermehrung

Zwei Wege: über Samen (Kaltkeimer — benötigen eine mehrmonatige Kälteperiode zur Stratifizierung) oder über Sommerstecklinge (10–15 cm weiches Triebholz, bei rund 20 °C und konstanter Feuchtigkeit über mehrere Wochen bewurzeln). Der häufigste Startpunkt ist die Samenaufzucht — hier der Weg vom Samen zum Keimling im Detail.

Tag 0
Samenmantel entfernen & reinigen
8–12 Wochen
Stratifizierung bei 2–5 °C
danach
Aussaat 1–2 cm tief, warm & hell
+30–60 Tage
Keimung — erster Spross erscheint

1. Samenmantel entfernen

Falls dein Saatgut noch den fleischigen, pflaumenähnlichen Mantel trägt: Handschuhe tragen — er enthält Buttersäure und Ginkgolsäuren, die die Haut reizen können. Den harten Kern darunter gründlich unter fließendem Wasser von Resten des Samenmantels befreien.

2. Stratifizieren (Kaltkeimer-Trick)

Ginkgo-Samen brauchen eine simulierte Winterperiode, um die Keimruhe zu brechen: die gereinigten Samen in leicht feuchten Sand oder Vermiculit betten, in einem luftdurchlässigen Beutel oder Gefäß 8–12 Wochen bei 2–5 °C lagern — ideal im Gemüsefach des Kühlschranks. Alternative: den Topf mit ausgesäten Samen einfach draußen überwintern lassen. Das funktioniert auch, ist aber weniger kontrolliert — die Keimruhe wird dann nicht immer im ersten Winter vollständig gebrochen, weshalb die Keimung so bis zu zwei Winter dauern kann.

3. Aussäen

Nach der Kälteperiode die Samen rund 1–2 cm tief in ein durchlässiges Substrat setzen (Anzuchterde gemischt mit Sand oder Perlite). Hell und warm stellen (20–25 °C), aber nicht in direkte Sonne. Gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden — eine durchsichtige Haube oder Folie hält die Luftfeuchtigkeit bis zum Keimen oben, sollte danach aber wieder entfernt werden.

4. Nach der Keimung

Sobald der erste Spross erscheint, langsam an mehr Licht gewöhnen. Mit dem Düngen warte, bis sich nach einigen Wochen ein kleines Wurzelsystem und die ersten echten Blätter gebildet haben — junge Keimlinge brauchen anfangs vor allem Geduld, keinen Dünger.

Je nach Sorte und Samenqualität können Stratifizierungsdauer und Keimzeit leicht variieren. Die genannten Werte sind bewährte Richtwerte für Ginkgo biloba allgemein — kleine Abweichungen nach oben oder unten sind normal, kein Grund zur Sorge.

Stadttauglichkeit

Der Ginkgo zählt zu den stadtklimaverträglichen Bäumen — die GALK-Straßenbaumliste beschreibt ihn als „anspruchslos, stadtklimafest, frei von Schädlingen“ (Verwendbarkeit: „geeignet mit Einschränkungen“). Abgase, Trockenstress und moderaten Salzeintrag steckt er gut weg, stark verdichtete Böden dagegen nicht — er wird in vielen Städten als Straßenbaum gepflanzt.

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Wirtschaftlich bedeutende Schädlinge in Mitteleuropa

Der Ginkgo gilt hierzulande als ausgesprochen robust gegenüber Pilzkrankheiten und Schädlingen — die GALK-Straßenbaumliste bezeichnet ihn als „frei von Schädlingen“.

Pflanzenschutz

Warum der Ginkgo (fast) keine Feinde hat

Warum der Ginkgo so selten befallen wird, ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden vor allem zwei Erklärungen: Laborstudien deuten darauf hin, dass Ginkgolide, Bilobalid und Flavonoide den Fraß von Insektenlarven hemmen, und für Ginkgolsäuren gibt es Laborhinweise auf antimikrobielle Wirkung — vermutlich eine evolutionäre Abwehr. Hinzu kommt, dass alle nahen Verwandten des Ginkgo ausgestorben sind: In Europa fehlen ihm deshalb vermutlich Fressfeinde, die sich über lange Zeit auf ihn spezialisiert haben — anders als etwa bei Eiche oder Kastanie, die jeweils eigene Spezialisten unter den Insekten haben. Beides sind plausible Hypothesen, keine bewiesenen Ursachen.

Drei Erklärungen, die zusammenwirken könnten

Dass ein Baum über Jahrzehnte praktisch ohne Pflanzenschutz auskommt, ist in europäischen Gärten die Ausnahme. Für den Ginkgo werden vor allem drei Faktoren diskutiert, die sich ergänzen könnten.

Chemie
Abwehrstoffe im Blatt

Ginkgolide, Bilobalid und Flavonoide hemmen im Labor den Fraß von Insektenlarven, für Ginkgolsäuren gibt es Hinweise auf antimikrobielle Wirkung. Ob und wie stark das im Freiland eine Rolle spielt, ist nicht abschließend geklärt.

Evolution
Keine Spezialisten

Schädlinge, die es mit einer Baumart wirklich aufnehmen, spezialisieren sich über Millionen Jahre auf sie. Dem Ginkgo fehlt in Europa diese Gegenseite vermutlich weitgehend — seine Verwandtschaft ist längst ausgestorben.

Nicht der Ginkgo ist unverwundbar — ihm fehlen vermutlich schlicht die Gegner, die gelernt hätten, ihn zu knacken.Hypothese: fehlende Ko-Evolution

Wenn doch etwas nicht stimmt: meist ein Standortproblem

Die allermeisten Beschwerden an Ginkgos im Garten oder im Topf gehen nicht auf Schädlinge zurück, sondern auf Pflege und Standort. Bevor du irgendetwas spritzt, lohnt der Blick auf Wasser, Boden und Licht.

Was du siehst Wahrscheinliche Ursache Was hilft
Blätter werden mitten in der Saison gelb, Boden bleibt lange nass Staunässe, beginnende Wurzelfäule Weniger gießen, Abzugsloch prüfen, Substrat durchlässiger machen
Braune, trockene Blattränder Trockenstress oder Salz (Streusalz, Überdüngung) Gleichmäßiger wässern, nicht überdüngen, Topf umsetzen
Junge Triebe erfrieren im Frühjahr Spätfrost auf frischem Austrieb Abwarten — der Baum treibt nach; junge Pflanzen im Topf geschützt stellen
Wenig Zuwachs, blasse Blätter Zu dunkler Standort Ginkgo will volle Sonne; halbschattig wächst er nur zäh
Einzelne angefressene Blätter Gelegentlicher Fraß (Raupen, Zikaden) Nichts tun — bleibt in aller Regel ohne Folgen
Pflanzenschutzmittel
In der normalen Gartenkultur nicht nötig — es gibt kein regelmäßiges Schaderregerproblem
Häufigster echter Fehler
Zu viel Wasser im Topf — Staunässe schadet ihm deutlich schneller als Trockenheit
Verbiss
Jungpflanzen können von Wild verbissen oder von Wühlmäusen angenagt werden; ein Schutzkorb reicht
Vorsicht gilt nicht dem Baum, sondern der Haut: Der Samenmantel weiblicher Bäume enthält hohe Mengen Ginkgolsäuren und kann bei direktem Hautkontakt allergische Reaktionen auslösen. Beim Aufsammeln Handschuhe tragen.
„Keine Schädlinge“ heißt nicht, dass nie ein Insekt am Ginkgo sitzt — gelegentlich fressen Raupen an Blättern oder Zikaden saugen an Trieben, und vereinzelt wurden Blatt- und Fruchtpilze nachgewiesen; in Ostasien sind auch Schädlinge und Blattfleckenerreger dokumentiert. In Mitteleuropa bleibt das selten und meist folgenlos; ein wirtschaftlich bedeutendes, regelmäßig auftretendes Schädlings- oder Krankheitsproblem ist hier bislang nicht bekannt.
Aussaat-Moment nach Mondkalender
Zunehmender Mond im Zwilling — nach der Mondkalender-Tradition ein Blütentag für die Aussaat
Neumond
Zun. Sichel
Erstes Viertel
Aussaat-Fenster
Vollmond
Abn. Mond
Letztes Viertel
Abn. Sichel
Mondkalender & Astrologie

Aussaat nach dem Mond

Der biologisch-dynamische Aussaatkalender geht auf die Landwirtin Maria Thun (1922–2012) zurück, die ab den frühen 1950er-Jahren Anbauversuche dokumentierte und ab 1963 jährlich die „Aussaattage“ herausgab. Sie ordnete die Tierkreiszeichen vier Elementen und damit vier Tag-Typen zu: Wurzeltage (Erde: Stier, Jungfrau, Steinbock), Blatttage (Wasser: Krebs, Skorpion, Fische), Blütentage (Licht bzw. Luft: Zwillinge, Waage, Wassermann) und Fruchttage (Wärme: Widder, Löwe, Schütze). Für den Ginkgo, dessen Blätter und Blüten im Mittelpunkt stehen, ist das ein Blütentag im Sternzeichen Zwilling — einem Luft-Zeichen.

Neben dem Element-System spielt bei diesem Kalender auch die klassische Astrologie eine Rolle: Das Sternzeichen Zwilling wird dem Planeten Merkur zugeordnet, dem Symbol für Gedächtnis, Dualität und Wissensvermittlung — passend zu einem Baum, der als „lebendes Fossil“ buchstäblich Erdgeschichte in sich trägt. Thuns System beruht dabei auf dem Stand des Mondes im Tierkreis und auf dem auf- und absteigenden Mond — nicht auf zunehmendem und abnehmendem Mond. Die verbreitete Regel, bei zunehmendem Mond auszusäen, weil die Wachstumskraft dann eher „nach oben“ ins Blatt- und Blütenwerk strebe (bei abnehmendem Mond dagegen eher nach unten, in Wurzeln und Erde), stammt aus der volkstümlichen Mondgärtnerei und ist ein eigenes System. Beides erwähnen wir hier als Tradition, nicht als Anleitung.

Wichtig für die Einordnung: Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten (z. B. Mayoral et al. 2020) fanden keinen belastbaren Zusammenhang zwischen Mondphase bzw. Mondstand und Pflanzenwachstum — der biologisch-dynamische Kalender ist gelebte Tradition, keine belegte Wissenschaft. Viele Gärtner:innen schätzen ihn trotzdem: nicht weil er Erträge garantiert, sondern weil er zum bewussten Innehalten einlädt — ein kleines Ritual, das den eigenen Rhythmus wieder an den der Natur bindet.
🌱 Aussaat & Keimzeit
März–April aussäen, 30–60 Tage Keimzeit, Pflanzung April–Mai; Blüte des Baumes erst nach etwa 20–30 Jahren
🌕 Mondkalender
Blütentag (Licht/Luft) · Volksregel: zunehmender Mond · Mond im Zwilling
⭐ Astrologie
☿ Merkur · Zwillinge — Gedächtnis, Dualität, Unsterblichkeit
🌿 Begleitpflanzen
Farne, Gräser, Bambus und andere Pflanzen mit ähnlichen Bodenansprüchen. Rhododendron braucht deutlich saureren Boden als der Ginkgo. Nicht zu dicht im Wurzelbereich pflanzen (Konkurrenz um Wasser und Licht)
Praxis

Ideen & Rituale mit dem Ginkgo

Drei Ideen für deinen Ginkgo:

🍁 Gepresste Herbstblätter als Lesezeichen

Ginkgoblätter im Herbst sammeln, zwischen Buchseiten oder unter einem schweren Gegenstand 1–2 Wochen pressen und vollständig trocknen lassen. Sie behalten danach lange Form und Farbe — ein simples, aber sehr wirkungsvolles Naturgeschenk oder Lesezeichen, ganz im Sinne von Goethes Blatt an Marianne von Willemer (siehe oben).

🎨 Naturdruck mit Ginkgoblättern

Frische Blätter zwischen Stoff oder Papier legen, fest einrollen oder pressen und vorsichtig erwärmen (z. B. im Dampf) — die charakteristische Fächerform und feinen Blattadern hinterlassen einen zarten Abdruck. Eine beliebte Textil- und Papiertechnik (Eco-Printing).

🌳 Ein Baum fürs Leben pflanzen

Weil ein Ginkgo Jahrhunderte alt werden kann, ist er eines der wenigen Geschenke, die buchstäblich über Generationen hinweg wachsen — ideal als Geburts-, Hochzeits- oder Firmenjubiläumsbaum, den man in 50 Jahren wieder besuchen kann.

Häufig gefragt

FAQ zum Ginkgo

Wie alt kann ein Ginkgo-Baum werden?
Sehr alt: Für einzelne Bäume in China werden über 1.000, für einen Baum in der Provinz Shandong sogar über 3.000 Jahre angegeben — das sind Schätzungen aus Chroniken, keine Jahrringzählungen. In Europa steht im Botanischen Garten Utrecht ein um 1730 gepflanzter Ginkgo, der nach Angabe der Universität vermutlich der älteste außerhalb Asiens ist.
Stimmt es, dass Ginkgos die Atombombe von Hiroshima überlebt haben?
Ja. Sieben Ginkgos in Hiroshima stehen auf der offiziellen Liste der hibakujumoku. Sie standen 1945 rund 1,1 bis 2,2 km vom Hypozentrum entfernt, wurden entlaubt und teils verkohlt — und trieben im Folgejahr wieder aus. Sie stehen bis heute, unter anderem im Garten Shukkei-en, in den Tempeln Hōsenbō, Jōsai-ji, Myōjō-in und Anraku-ji, am Tsuruhane-Schrein und auf dem Gelände der Senda-Grundschule.
Warum riecht mein Ginkgo im Herbst unangenehm?
Das passiert nur bei weiblichen Ginkgo-Bäumen: Ihre reifenden Samenmäntel enthalten Buttersäure und Hexansäure, die einen strengen Geruch verursachen. Für Gärten werden deshalb meist geruchsfreie männliche Klone wie ‘Princeton Sentry’ verkauft.
Sind die Samen des Ginkgo gefährlich für Kinder oder Haustiere?
Ja: Kinder und Haustiere sollten nicht an die Samen kommen — es besteht Verschluckungsgefahr, außerdem enthalten sie Ginkgotoxin, einen Gegenspieler von Vitamin B6, der in größeren Mengen zu Vergiftungserscheinungen führen kann. Die Samen sind zum Einpflanzen da, nicht zum Essen.
Welchen Standort braucht ein Ginkgo im Garten?
Am besten vollsonnig (hoher Lichtanspruch; junge Pflanzen vertragen auch Halbschatten), mit durchlässigem, nährstoffreichem Boden bei einem pH-Wert von etwa 6 bis 8 (er toleriert auch 4,5 bis 8,5). Er ist anspruchslos, verträgt Stadtklima, Abgase und Trockenstress gut und gilt in Mitteleuropa als sehr robust gegenüber Schädlingen und Krankheiten.
Wie schnell wächst ein Ginkgo?
Unter guten Bedingungen bis etwa 30 cm Höhenzuwachs pro Jahr, in den ersten Jahren oft deutlich langsamer — vergleichsweise moderat, dafür aber über Jahrzehnte anhaltend.
Warum widmete Goethe dem Ginkgo ein Gedicht?
1815 schickte Goethe seiner Freundin Marianne von Willemer ein Ginkgoblatt als Symbol der Freundschaft und schrieb dazu das Gedicht „Gingo biloba“ für seinen West-östlichen Divan. Das zweigeteilte Blatt wurde darin zum Bild für zwei Menschen, die trotz Trennung eins sind.
Kann ich einen Ginkgo im Topf halten?
Ja, auch als Bonsai sehr beliebt. Wichtig ist gute Drainage (keine Staunässe), regelmäßiges Gießen im Sommer und ein kühler, heller, frostfreier Überwinterungsplatz für junge Topfpflanzen.

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Quellen

Verwendete Quellen für diese Seite

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  7. Alte Bäume: Stadt Frankfurt am Main: Ginkgo in Rödelheim (Naturdenkmal)
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  11. Hiroshima: Stadt Hiroshima: The Realities of the Atomic Bombing
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Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder botanische Fachberatung. Bei gesundheitsbezogenen Fragen zu Ginkgo-Präparaten wende dich an Ärzt:innen oder Apotheker:innen. Unsere Ginkgo-Pflanz-Sets sind zum Anpflanzen gedacht; die Samen sind nicht zum Verzehr bestimmt.

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