Erle - Pflanzenpass

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PFLANZENPASS MW-008 · WOODYWIKI

Alnus glutinosa

Familie: Betulaceae · der Baum der Gewässer
ErleSchwarzerleRoterle

Der häufigste Baum an Flüssen, Seen und Mooren Europas – ein Laubbaum, der im Wasser eher besser gedeiht als an Land, seine Wurzeln mit stickstofffixierenden Bakterien teilt und dessen Holz unter Wasser steinhart wird, statt zu verrotten. Ganze Stadtteile von Venedig und Amsterdam stehen bis heute auf Erlenholz-Pfählen.

  • Warum diese Baumart als einzige im Sortiment „nasse Füße" liebt
  • Was Erlenwurzeln mit Bakterien zu tun haben, die Luftstickstoff in Dünger verwandeln
  • Warum eine eingeschleppte Pilzkrankheit seit den 1990ern ganze Ufersäume bedroht
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Der Baum, der seinen eigenen Dünger herstellt

Während die meisten Bäume auf stickstoffreiche Böden angewiesen sind, bringt die Erle ihren eigenen Dünger mit: In Knöllchen an ihren Wurzeln leben Bakterien, die Luftstickstoff binden – bis zu 300 kg pro Hektar und Jahr. So erobert sie als eine der ersten Baumarten karge, nasse Standorte, auf denen andere Bäume verhungern würden.

Botanik

Der Laubbaum der Ufer und Moore

Die Schwarzerle (Alnus glutinosa (L.) Gaertn.) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae) und ist damit botanisch näher mit Birke und Hasel verwandt als mit den bisherigen WoodyWiki-Nadelbäumen. Sie ist in ganz Europa verbreitet – von Skandinavien (65,5° Nord) bis zum Atlasgebirge in Nordafrika, von Westsibirien bis zum Kaspischen Meer – und fehlt nur im hohen Norden Skandinaviens.

Der Gattungsname Alnus geht auf das lateinische Wort für Erle zurück, der Artname glutinosa („klebrig") auf die harzig-klebrigen jungen Blätter und Knospen. Im Deutschen heißt sie auch Roterle, weil frisch geschlagenes Holz sich an der Schnittfläche charakteristisch rötlich-orange verfärbt. 2003 wurde sie in Deutschland zum „Baum des Jahres" gekürt.

Wuchshöhe
Meist bis 30 m, selten auch bis 40 m; Stammdurchmesser kann über 1,5 m erreichen
Lebensalter
100 bis 120 Jahre – für einen Pionierbaum vergleichsweise kurzlebig
Blatt
4–9 cm lang, rundlich-verkehrt-eiförmig mit gestutzter bis ausgerandeter Spitze, grob doppelt gesägter Rand; jung klebrig
Fortpflanzung
Einhäusig; blüht erstmals mit etwa 10 Jahren, männliche Kätzchen 5–10 cm lang

Ein Merkmal, das die Erle unter den heimischen Laubbäumen einzigartig macht: Ihre weiblichen Blüten entwickeln sich zu kleinen, verholzenden „Zäpfchen", die an Nadelbaum-Zapfen erinnern und oft den ganzen Winter über am Baum hängen bleiben, bevor sie ihre Samen freigeben. Die Samen selbst sind Schwimmer: Sie sinken nur mit etwa 0,17 Metern pro Sekunde und bleiben im Wasser bis zu zwölf Monate keimfähig – ideal für die Ausbreitung entlang von Fließgewässern.

Pflanzenteile im Überblick

Vier Merkmale, an denen du eine Erle zweifelsfrei erkennst.

Spitze stumpf, eingekerbt Rand gesägt jung klebrig Blattstiel
01 · Blatt
Rundliches Blatt mit eingekerbter Spitze

Die fast runden Blätter haben eine stumpfe, oft eingekerbte Spitze und einen gesägten Rand. Junge Blätter fühlen sich klebrig an – daher der Artname „glutinosa".

Kätzchen Zäpfchen männlich, hängend verholzt Samen, schmal geflügelt
02 · Blüte & Zapfen
Kätzchen und verholzte Zäpfchen

Im Frühjahr hängen die männlichen Blüten als lange Kätzchen am kahlen Zweig. Aus den weiblichen Blüten werden kleine, verholzte Zäpfchen, die oft den ganzen Winter am Baum bleiben.

Fundament z. B. Venedig Wasser Boden: Holz wird steinhart statt zu verrotten
03 · Holz
Steinhart unter Wasser

Erlenholz verrottet unter Wasser nicht, sondern wird steinhart. Schon in der Steinzeit war es das bevorzugte Holz für Pfahlbauten – Venedig und Amsterdam stehen bis heute teilweise auf Erlenholz-Pfählen.

Sämlingjungausgewachsen 20–40 cm / Jahrfeuchte Böden30–40 m
04 · Wachstum
Wachstumsstadien

Als Pionierbaum wächst die Erle in der Jugend rasch; gesicherte, exakt bezifferte Jahreszuwachswerte haben wir in der Fachliteratur allerdings nicht gefunden (mehr dazu im Abschnitt Wissenschaft).

05 · Habitus

Der ganze Baum

Die Schwarzerle ist der häufigste Baum an Flüssen, Seen und Mooren Europas. Als Flachwurzler mit zusätzlichem Herzwurzelsystem gedeiht sie auch auf nährstoffarmen, dauerhaft nassen Böden, auf denen andere Bäume nicht überleben.

  • Kann bis zu 40 Meter hoch wachsen
  • Bindet als ausgewachsener Baum schätzungsweise rund 22 kg CO₂ pro Jahr (allgemeiner Schätzwert für Bäume, keine art-spezifische Messreihe bekannt)
  • Sonnig bis halbschattig · mittlerer Pflegeaufwand
Rekorde

Nicht Höhe, sondern Stickstoff und Haltbarkeit

Ein eigenes deutsches Rekordbaum-Register mit Höhen- oder Altersangaben zur Schwarzerle haben wir nicht gefunden – anders als bei der Nordmanntanne. Die eigentlichen Rekorde der Erle liegen ohnehin woanders: in der Menge an Stickstoff, die sie aus der Luft bindet, und in der Zeit, die ihr Holz unter Wasser übersteht.

Wie hoch eine Erle wirklich wird

1,8 m
4 m
30 m
40 m
Mensch
Junger Baum
nach ca. 10 Jahren
Typischer Altbaum
an Gewässern
Seltenes
Ausnahme-Exemplar
Die Schwarzerle wird meist bis 30 m hoch, in Ausnahmefällen bis 40 m, bei einem Stammdurchmesser von über 1,5 m. Ein benanntes deutsches Rekordexemplar mit Registernummer haben wir nicht gefunden – falls du eines kennst, freuen wir uns über einen Hinweis.

Vom Pfahlbau zur Pilzkrankheit

bis zu
300 kg

Stickstoff pro Hektar und Jahr – so viel können dichte Erlenbestände laut Fachliteratur maximal aus der Luft binden. Der Durchschnitt intakter Bestände liegt bei rund 70 kg/ha und Jahr, mehr dazu im Abschnitt Symbiosen.

vor 4000 J.
2003
vor >4000 J.
Erlenholz-Pfähle für
steinzeitliche Pfahlbauten




1995
Erlensterben erstmals
in Deutschland bestätigt
2003
Schwarzerle wird
„Baum des Jahres"


Mehr zum Erlensterben, das seit den 1990er-Jahren europäische Erlenbestände bedroht, liest du im Abschnitt Verantwortung weiter unten.

Extremwerte im Überblick

Kennwert Angabe
Wuchshöhe Meist bis 30 m, selten bis 40 m; Stammdurchmesser über 1,5 m möglich
Stickstofffixierung Rund 70 kg N pro Hektar und Jahr im Mittel, maximal 200–300 kg N/ha/Jahr dokumentiert
Samen im Wasser Bis zu 12 Monate keimfähig; Sinkgeschwindigkeit nur rund 0,17 m/s
Holz unter Wasser Haltbarkeit vergleichbar mit Eiche; älteste bekannte Nutzung als Pfahlbauholz über 4.000 Jahre alt

Zum Vergleich: Während Nordmanntanne und Balsamtanne vor allem auf Höhenwachstum optimiert sind, investiert die Erle ihre biologische „Leistung" in etwas anderes – in die Fähigkeit, sich selbst zu düngen und dort zu wachsen, wo kaum ein anderer Baum überlebt.

300 kg

Stickstoff pro Hektar und Jahr – Erlen-Höchstwert

So viel Luftstickstoff können dichte Erlenbestände über ihre Wurzelbakterien maximal binden – ein Vielfaches dessen, was andere heimische Bäume leisten.

Saatguternte

Vom Zäpfchen zum Setzling

Anders als bei Tannen oder der Bergkiefer zerfallen die kleinen, verholzten Zäpfchen der Erle nicht am Baum und fallen auch nicht sofort ab – viele bleiben den ganzen Winter über hängen und öffnen sich erst nach und nach. Das gibt Erntezeiträumen mehr Spielraum, verlangt aber trotzdem den richtigen Zeitpunkt: zu früh geerntet, sind die Samen noch nicht ausgereift.

1 · Ernte
Reife, aber noch geschlossene Zäpfchen werden im Spätherbst oder Winter von Hand gepflückt, meist an Gewässerufern.
2 · Reinigung
Die Zäpfchen werden getrocknet, bis sie sich öffnen und die winzigen, geflügelten Samen freigeben; anschließend werden diese gereinigt und sortiert.
3 · Anzucht
Das Saatgut geht an Baumschulen und einzelne Baum-Pflanz-Sets wie unser meinwoody®-Set mit dem kompostierbaren Plenta®-Pflanztopf.

Weil die Samen der Erle so klein und leicht sind, verwehen sie leicht bei der Ernte – Wind und ein ruhiger Handgriff entscheiden oft über die Ausbeute. Genau deshalb lohnt sich sorgfältig gereinigtes, geprüftes Saatgut, auch in deinem eigenen Baum-Pflanz-Set.

Kurz erklärt

Pfahlbauten, Venedig & Baum des Jahres

Schon vor mehr als 4.000 Jahren nutzten Menschen der Steinzeit Erlenholz gezielt für Pfahlbauten: Unter Wasser und im luftabgeschlossenen, feuchten Boden verrottet es nicht, sondern wird mit der Zeit steinhart – eine Haltbarkeit, die der von Eiche nahekommt. Dieses Prinzip nutzten später auch die Baumeister Venedigs und Amsterdams in großem Stil: Bis heute stehen ganze Stadtteile beider Städte auf Fundamenten aus Erlenholz-Pfählen, die seit Jahrhunderten im Wasser stecken.

Auch in der Volksmedizin hatte die Erle ihren festen Platz: Blätter und Rinde, reich an Gerbstoffen, wurden äußerlich bei Halsschmerzen und Hautentzündungen sowie innerlich gegen Fieber und rheumatische Beschwerden eingesetzt. Diese Anwendungen sind historisch überliefert, aber nicht durch moderne klinische Studien belegt (mehr dazu im Abschnitt Dr. Feelgood).

2003 wurde die Schwarzerle in Deutschland zum „Baum des Jahres" gewählt – eine Anerkennung ihrer ökologischen Schlüsselrolle an Gewässern, aber auch ein Hinweis auf die Bedrohung durch das seit den 1990er-Jahren grassierende Erlensterben (mehr dazu im Abschnitt Verantwortung). Ihr deutscher Beiname „Roterle" geht übrigens auf frisch geschlagenes Holz zurück, dessen Schnittfläche sich charakteristisch rötlich-orange verfärbt.

Wissenschaft

Standort, Wuchs & Sauerstoff unter Wasser

Die Erle ist unter den heimischen Bäumen eine Spezialistin für nasse Füße: Sie bevorzugt grundwasserbeeinflusste oder zeitweise überschwemmte Standorte und bildet dafür eine ungewöhnliche Anpassung aus – Luft gelangt über auffallend große Lentizellen (Korkporen) am unteren Stamm ins Gewebe und wird durch spezielles Luftgewebe (Aerenchym) im Holz bis zu den Wurzelspitzen weitergeleitet. So versorgt sie ihre Wurzeln auch in sauerstoffarmem, wassergesättigtem Boden. Für die Ausbildung der stickstofffixierenden Wurzelknöllchen ist sie zudem auf einen eher sauren Boden angewiesen: Die Knöllchenbildung erreicht ihr Maximum bei einem pH-Wert um 5.

Ihr Wurzelsystem ist ein tiefreichendes Herzwurzelsystem, bei dem auffällig wenige große Hauptwurzeln vorkommen – stattdessen verzweigt es sich stark in die Tiefe wie in die Breite. Zum Jahreswachstum gibt die Fachliteratur vor allem qualitative Hinweise: Als typischer Pionierbaum zeigt die Erle einen hohen Lichtbedarf und ein rasches Jugendwachstum. Eine unabhängige, exakt bezifferte Wachstumskurve für ausgewachsene Bäume haben wir dagegen nicht gefunden – die verbreitete Angabe von 20 bis 40 cm pro Jahr konnten wir deshalb nicht abschließend verifizieren und geben sie nur mit diesem Vorbehalt wieder.

Verträgt sie gut
Staunässe & Überschwemmung Nährstoffarme Böden Saure Böden Frost
Ihre Schwachstellen
Trockenheit Starker Schatten im Alter Phytophthora-Erreger
Als lichtbedürftiger Pionierbaum verträgt sie dauerhaften Schatten schlecht – umso mehr, je älter sie wird.
Dr. Feelgood

Gerbstoffe, Pollen & ein wichtiger Sicherheitshinweis

Rinde und Blätter der Erle enthalten nennenswerte Mengen an Gerbstoffen (Tannine, in der Rinde rund 9 %) sowie fetthaltige Begleitstoffe. In der Volksmedizin wurden sie traditionell äußerlich bei Halsschmerzen, Zahnfleischentzündungen und Hautproblemen sowie innerlich bei Fieber und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Für diese Anwendungen gibt es keine moderne Arzneimittel-Monografie und keine belastbaren klinischen Studien – es handelt sich um historisch überliefertes Erfahrungswissen, nicht um belegte Wirksamkeit.

Rinde
Rund 9 % Gerbstoffe

Tannine und fetthaltige Begleitstoffe – traditionell für Umschläge und Abkochungen genutzt, wissenschaftlich nicht als Arzneimittel geprüft.

Blätter
Traditionell „müde Füße"

Frische Blätter wurden in Schuhe gelegt, um müde, geschwollene Füße zu lindern – ein alter Hausmittel-Tipp ohne klinischen Nachweis.

Pollen
Früher, starker Allergieauslöser

Erlenpollen zählen zu den bedeutendsten Frühblüher-Allergenen: Schätzungsweise 20 bis 30 % aller Baumpollen-Allergiker reagieren auch auf Erle.

Diese Seite beschreibt Inhaltsstoffe rein zur Information, nicht als Anleitung zur Selbstbehandlung. Von eigenen Experimenten raten wir ab. Wichtiger als bei den bisherigen WoodyWiki-Sorten: Die Erle blüht sehr früh im Jahr (oft schon ab Januar/Februar) und ihre Pollen gehören zu den häufigsten Auslösern für Frühjahrs-Heuschnupfen – wer zu Pollenallergien neigt, sollte das beim Pflanzstandort mitbedenken. Bei Fragen zu Allergien oder möglichen Hautreaktionen wende dich an Ärzt:innen oder Apotheker:innen; weiterführende Informationen bietet z. B. die Giftinformationszentrale Bonn (GIZ).
Symbiosen

Frankia-Bakterien & Mykorrhiza-Pilze

Die Erle ist unter den bisherigen WoodyWiki-Sorten ein Sonderfall: Sie geht nicht nur, wie die meisten Bäume, eine Partnerschaft mit Mykorrhiza-Pilzen ein, sondern zusätzlich eine zweite, seltenere Symbiose – mit stickstofffixierenden Bakterien der Gattung Frankia. Diese sogenannte Aktinorrhiza ist es, die der Erle ihren Ruf als „Pionierbaum, der seinen eigenen Dünger mitbringt" einbringt.

Die Frankia-Wurzelknöllchen

An den Wurzeln der Erle bilden sich charakteristische, korallenartig verzweigte Knöllchen, in denen das fadenförmige Bakterium Frankia alni lebt. Es wandelt Luftstickstoff (N₂) in für die Pflanze nutzbare Stickstoffverbindungen um – im Austausch erhält das Bakterium Zucker aus der Photosynthese des Baums. Intakte Erlenbestände fixieren auf diese Weise im Mittel rund 70 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr, in Extremfällen bis zu 300 kg/ha/Jahr. Rund 70 % des Stickstoffs in der Biomasse eines Erlenbestands stammt auf diesem Weg direkt aus der Luft – deshalb kann die Erle auch auf sehr nährstoffarmen, frisch entstandenen Böden als eine der ersten Baumarten Fuß fassen und bereitet damit oft den Boden für andere Arten mit vor.

Schema · Frankia-Wurzelknöllchen (Erle)
Knöllchen mit Frankia-Bakterien wandeln N₂ aus der Luft in Dünger um
Zum Vergleich · Hülsenfrüchtler-Knöllchen
Rhizobium statt Frankia gleiches Prinzip, andere Bakteriengattung
Das Prinzip „Stickstoff aus der Luft binden" kennen die meisten aus dem Gemüsebeet: Klee, Erbsen und Bohnen machen das Gleiche mit Knöllchenbakterien der Gattung Rhizobium. Die Erle nutzt mit Frankia eine andere, evolutionär unabhängig entstandene Bakteriengattung für ein vergleichbares Prinzip – ein Beispiel für konvergente Evolution.

Und eine zweite Partnerschaft: Ektomykorrhiza

Zusätzlich zu den Frankia-Knöllchen bildet die Erle – wie auch Nordmanntanne, Balsamtanne, Bergkiefer und Edeltanne – eine klassische Ektomykorrhiza mit Bodenpilzen aus, unter anderem mit Arten der Gattungen Russula, Lactarius und Cortinarius. Pilzfäden umhüllen dabei die Wurzelspitzen von außen, statt wie bei arbuskulären Partnerschaften in die Wurzelzellen einzudringen.

Wer gehört zu welcher Gilde
Ginkgo
Zypresse
Bienenbaum
vs
Erle
Arbuskuläre Mykorrhiza (Ginkgo, Zypresse, Bienenbaum – ~72 % aller Pflanzenarten) Ektomykorrhiza (Nordmanntanne, Balsamtanne, Bergkiefer, Edeltanne, Erle, Buche, Eiche, Fichte, Birke)
Ökologie

Erlenzeisig, Biber & Ufergehölz

Als häufigster Baum an Flüssen, Seen und Mooren Europas ist die Erle ein ökologischer Schlüsselspieler an Gewässern. Ihre winzigen Zäpfchen bleiben oft den ganzen Winter am Baum und werden für viele Vogelarten zur wichtigen Nahrungsquelle in der kargen Jahreszeit – der Erlenzeisig trägt ihren Namen nicht zufällig.

Erlenzeisig
Biber
Stieglitz
Erlenblattkäfer

Auch der Biber profitiert von Erlenbeständen: Er nutzt das leichte, schnell nachwachsende Holz gerne zum Bau von Dämmen und Burgen und frisst die Rinde. Umgekehrt sorgt die Erle selbst für Ufersicherung – ihr dichtes, flach-tiefes Wurzelsystem stabilisiert Uferböschungen und bremst Erosion. Und auch hier gibt es einen Gegenspieler: Die Larven des Erlenblattkäfers (Agelastica alni) können bei Massenvermehrung ganze Bäume kahlfressen – meist verkraften gesunde Erlen das gut, geschwächte Bäume schlechter (mehr dazu im Abschnitt Verantwortung).

Verantwortung

Wenn ein Erreger ganze Ufersäume bedroht

Die Erle hat seit den 1990er-Jahren einen sehr realen, gut dokumentierten Gegenspieler: das Erlensterben, verursacht durch mehrere Arten der Gattung Phytophthora – P. ×alni (die aggressivste Form), P. uniformis und P. ×multiformis. P. uniformis stammt ursprünglich aus Nordamerika (Alaska, Oregon) und gelangte vermutlich über den Fischimport-Handel nach Europa, wo sie sich mit einer europäischen Art kreuzte und die deutlich aggressivere Hybridform P. ×alni hervorbrachte.

Einschleppung
Vermutlich über Fischimporte gelangte der nordamerikanische Wasserschimmelpilz Phytophthora uniformis nach Europa und kreuzte sich mit einer heimischen Art zur deutlich aggressiveren Hybridform.
Ausbreitung
Erstmals 1993 in Südengland dokumentiert, seit 1995 auch in Deutschland bestätigt – seither breitete sich das Erlensterben von West- nach Mitteleuropa aus und befällt oft ganze Ufergehölzsäume.
Grenzen
Eine chemische Bekämpfung ist gesetzlich ausgeschlossen – als einzige Maßnahme bleibt das Fällen befallener Bäume samt Wurzeln und die vollständige Vernichtung des Holzes.

Erkennbar wird der Befall an schwarz-braun nässenden Flecken am Stammansatz, die sich nach oben ausbreiten, an ungewöhnlich hellen, kleinen Blättern und frühem Laubfall. Unter der Rinde zeigt sich eine charakteristische, zungenförmige rötlichbraune Verfärbung. Infizierte Bäume sterben oft schon nach wenigen Monaten ab – besonders tragisch, weil gerade Ufergehölze aus Erlen eine zentrale ökologische Schutzfunktion haben (siehe Abschnitt Ökologie).

Erlenrindenrüssler
Cryptorrhynchus lapathi – ein Rüsselkäfer, dessen Larven in Rinde und Holz erheblichen Schaden anrichten können
Erlenblattkäfer
Agelastica alni – Larven können bei Massenvermehrung ganze Bäume kahlfressen (siehe Ökologie)
Historisches Erlensterben
Bereits im 19./20. Jahrhundert verursachte der Pilz Valsa oxystoma Erlensterben-ähnliche Schäden – ein älteres, unabhängiges Phänomen

Die Lehre ähnelt der bei Balsamtanne und Nordmanntanne: Global gehandelte Waren – hier vermutlich Fischimporte statt Pflanzenmaterial – können unbeabsichtigt neue Krankheitserreger einschleppen, die heimische Ökosysteme empfindlich treffen. Für den eigenen Garten gilt: Staunässe an ungeeigneten Stellen vermeiden und befallene Flächen meiden, wie es auch die Forstpraxis empfiehlt.

Anbau-Guide

Erle aus dem Samen: der komplette Pflege-Leitfaden

Boden & pH
Sauer (pH um 5), feucht bis nass
Standort
Sonnig bis halbschattig
Wasser
Ständig feucht – als einzige Sorte staunässetolerant
Wachstum
Rasch als Jungpflanze, genaue Werte unklar
Winterhärte
Sehr gut, frostverträglich
Schädlinge
Phytophthora-Erreger möglich, siehe Verantwortung
Boden & pH
Sauer (optimal um pH 5), nährstoffarm bis normal, feucht bis nass – verträgt auch zeitweise Überschwemmung
Standort
Sonnig bis halbschattig; als lichtbedürftiger Pionierbaum verträgt sie dauerhaften Schatten schlecht
Wasser
Die einzige Sorte im Sortiment, die dauerhaft nasse Füße liebt – Topf am besten dauerhaft im Wasseruntersetzer stehen lassen
Wachstum
Als Pionierbaum rasches Jugendwachstum; eine unabhängig bestätigte, exakt bezifferte Jahreszuwachsrate haben wir nicht gefunden
Winterhärte
Sehr gut, gedeiht in ganz Mitteleuropa bis in Höhenlagen von über 1.000 m
Schädlinge & Krankheiten
Erlensterben (Phytophthora), Erlenrindenrüssler und Erlenblattkäfer sind bekannte Probleme – „schädlingsfrei" ist hier nicht zutreffend

Vermehrung aus Samen

Erlensamen sind Lichtkeimer und brauchen, anders als die bisherigen WoodyWiki-Sorten, eine deutlich kürzere Kältebehandlung: 2 bis 4 Wochen im Kühlschrank reichen aus, ein Einweichen ist nicht nötig. Danach werden die Samen nur auf die Erde gestreut und leicht angedrückt – niemals mit Erde bedecken, sonst fehlt ihnen das Licht zum Keimen.

Nur den Seed-Cap ohne Pflanztopf bestellt? Dann fehlen dir noch ein kleiner Topf (ca. 150 ml) und etwas Anzuchterde – den Rest der Anleitung machst du genauso.

So geht's Schritt für Schritt

1
4 °CErle

Samen locker verpackt 2–4 Wochen ins Kühlschrank-Gemüsefach (2–5 °C). Kein Einweichen nötig.

2
Lichtkeimernicht bedecken

Nur auf die feuchte Erde streuen und leicht andrücken – Lichtkeimer, nicht mit Erde bedecken.

3

Hell bei 18–22 °C stellen und den Topf dauerhaft im Wasseruntersetzer feucht halten.

Die ersten Keimlinge kommen nach 2–4 Wochen.


Tag 0
Samen locker verpackt 2–4 Wochen bei 2–5 °C im Kühlschrank (Gemüsefach) stratifizieren

danach
Nur auf die feuchte Erde streuen, leicht andrücken, nicht bedecken (Lichtkeimer)

2–4 Wochen
Hell bei 18–22 °C, dauerhaft im Wasseruntersetzer – erster Spross erscheint

Anders als bei allen anderen bisherigen WoodyWiki-Sorten empfehlen wir bei der Erle, den Topf dauerhaft in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer stehen zu lassen – sie ist die einzige Sorte im Sortiment, die nasse Füße liebt, statt sie zu fürchten.

Diese Angaben sind auf die Anzucht im Haushalt abgestimmt (2–4 Wochen Kühlschrank, Aussaat als Lichtkeimer, Keimung bei 18–22 °C in 2–4 Wochen) und folgen unserer eigenen Pflanz- und Pflegeanleitung.
Rhythmen der Natur
Säen, Pflegen & Ernten im Rhythmus von Sonne, Mond und Jahreszeit

Neumond

Zun. Sichel

Erstes Viertel

Abnehmend

Vollmond

Abn. Mond

Letztes Viertel

Abn. Sichel
Mondkalender

Mond, Gezeiten, Jahreszeiten: was an der alten Weisheit dran ist

Menschen richten ihre Aussaat- und Erntekalender seit jeher nach den großen Rhythmen der Natur – nach Sonnenstand, Temperatur, Tageslicht und eben auch dem Mond. Vieles daran ist alles andere als Aberglaube: Dass Jahreszeit, Tageslicht und Bodentemperatur darüber entscheiden, wann ein Samen keimt und wie ein Baum wächst, ist botanisch gut abgesichert. Und der Mond bewegt nachweislich ganze Ozeane als Gezeiten – in der Natur gibt es sogar Tierarten, deren Fortpflanzung sich exakt nach Mondphasen richtet, etwa bestimmte Korallen und Meereswürmer, die ihre Laichzeiten auf einzelne Nächte um den Vollmond herum synchronisieren. Die Vorstellung, dass in der Natur vieles miteinander verbunden ist und sich nach wiederkehrenden Rhythmen richtet, ist also keineswegs aus der Luft gegriffen.

Ob sich das auch ganz konkret auf die Gartenpraxis überträgt – also darauf, ob du bei zunehmendem oder abnehmendem Mond aussäen oder ernten solltest, wie es die seit den 1950er-Jahren populären biodynamischen Säkalender von Maria Thun empfehlen – ist eine engere und schwerer zu beantwortende Frage. Eine Masterarbeit der Universität für Bodenkultur Wien, die Thuns Prinzipien an Radieschen, Karotten und Sonnenhut testete, fand dazu kein einheitliches Muster; die Autorin selbst schlug vor, dass ein einzelnes Anbaujahr dafür noch keine abschließende Antwort liefern kann. Wir behandeln die Frage deshalb als offen, nicht als widerlegt: Wer nach dem Mond aussät, macht sicher nichts falsch – verlassen kannst du dich am ehesten auf das, was gut erforscht ist: die richtige Jahreszeit, Aussaattiefe (oder eben Nicht-Tiefe) und -temperatur, gleichmäßige Feuchtigkeit, ausreichend Licht und – bei der Erle ganz besonders – ein dauerhaft feuchter Standort.

Häufig gefragt

FAQ zur Erle

Kann ich die Erle wirklich ständig im Wasser stehen lassen?
Ja – die Erle ist die einzige Sorte im meinwoody-Sortiment, die dauerhaft nasse Füße liebt. Wir empfehlen sogar, den Topf permanent in einem mit Wasser gefüllten Untersetzer stehen zu lassen. In freier Natur wächst sie an Flüssen, Seen und Mooren.
Was hat es mit den Wurzelknöllchen der Erle auf sich?
An den Wurzeln der Erle leben Bakterien der Gattung Frankia in charakteristischen Knöllchen und wandeln Luftstickstoff in pflanzenverfügbaren Dünger um – bis zu 300 kg pro Hektar und Jahr in Extremfällen. Deshalb kann die Erle auch auf sehr nährstoffarmen Böden als eine der ersten Baumarten wachsen.
Stimmt es, dass Venedig auf Erlenholz gebaut ist?
Ja. Erlenholz wird unter Wasser nicht schwächer, sondern steinhart. Schon in der Steinzeit nutzten Menschen es für Pfahlbauten, und bis heute stehen Teile von Venedig und Amsterdam auf Fundamenten aus Erlenholz-Pfählen.
Ist die Erle für Allergiker problematisch?
Erlenpollen zählen zu den bedeutendsten Frühblüher-Allergenen – die Erle blüht oft schon ab Januar/Februar. Schätzungsweise 20 bis 30 % aller Baumpollen-Allergiker reagieren auch auf Erle. Das solltest du bei der Wahl des Pflanzstandorts mitbedenken.
Was ist das Erlensterben?
Eine seit den 1990er-Jahren in Europa verbreitete, durch Phytophthora-Erreger verursachte Krankheit, die ganze Ufergehölzsäume bedrohen kann. Eine chemische Bekämpfung ist nicht zulässig – befallene Bäume müssen samt Wurzeln entfernt werden.
Wie alt und wie hoch kann eine Erle werden?
Meist bis 30 m hoch, selten bis 40 m, bei einem Lebensalter von 100 bis 120 Jahren – für einen Pionierbaum vergleichsweise kurzlebig, aber sehr genügsam bei der Standortwahl.

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